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/ 22.06.2013
Christina May

Generation als Argument. Konflikte um die Rentenversicherung in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2010 (Campus Forschung 942); 304 S.; 34,90 €; ISBN 978-3-593-39180-9
Diss. Göttingen; Gutachter: I. Ostner, W. Knöbl, B. Weisbrod. – Die Autorin beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit Generationen durch die Rentenversicherung geprägt werden. Sie greift die gegenwärtige Debatte um einen Konflikt zwischen Jung und Alt und die Rede von Gewinner- und Verlierergenerationen auf und stellt das Generationenkonzept auf den Prüfstand. Ist es gerechtfertigt, „tatsächlich von Rentnergenerationen als abgrenzbaren kollektiven Entitäten zu sprechen, die sich als prägender erweisen als andere Gruppenzugehörigkeiten“ (17)? Dieser Frage geht May auf zwei Ebenen nach: Zum einen untersucht sie die Einflüsse des Wohlfahrtsstaates auf das individuelle Empfinden von sozialer Sicherheit, zum anderen analysiert sie die medialen Debatten über Wohlfahrtsgenerationen. Die Arbeit ist als Vergleichsstudie mit den Ländern Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden angelegt, um die Auswirkungen unterschiedlicher Alterssicherungssysteme und ihrer spezifischen Sicherheitslogiken auf die generationelle Prägung von Kohorten zu untersuchen. Neben der Kohortenzugehörigkeit werden weitere mögliche Einflussfaktoren auf das Empfinden sozialer Sicherheit wie Einkommen, Bildung, Geschlecht berücksichtigt. Auch wenn Deutschland in mehreren Punkten von den Niederlanden und Großbritannien abweicht und dort tatsächlich steigende Beiträge und sinkende Leistungen auszumachen sind, finden sich im Ergebnis „keine Hinweise auf klare Abgrenzungen zwischen Gewinner- und Verliererkohorten“ (206). Doch warum ist das Generationenkonzept in öffentlichen und wissenschaftlichen Debatten so beliebt und wird besonders stark in Zeiten von Krisen und Sozialreformen diskutiert? Die Autorin führt dies unter anderem darauf zurück, dass über „das Bild eines ‚Generationenkonfliktes’, der natürlich in der Gesellschaft wie in der Familie vermieden werden muss, [...] eine Reform, die sonst nur schwer durchzusetzen wäre, öffentlich wahrgenommen und politisch legitimiert werden [kann].“ (282) Als Kategorie sozialer Ungleichheit jedenfalls, so legen es die Ergebnisse dieser Studie nahe, ist das Generationenkonzept nicht geeignet.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.2622.3422.61 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Christina May: Generation als Argument. Frankfurt a. M./New York: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32207-generation-als-argument_38417, veröffentlicht am 09.06.2010. Buch-Nr.: 38417 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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