/ 05.06.2013
Regine Winter
Gleiches Entgelt für gleichwertige Arbeit. Ein Prinzip ohne Praxis
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 1998 (Schriften zur Gleichstellung der Frau 19); 396 S.; brosch., 98,- DM; ISBN 3-7890-5437-2Rechtswiss. Diss. Bremen; Erstgutachter: W. Däubler. - Obwohl im EG-Recht und im nationalen Recht die Anspruchsgrundlagen für gleiches Entgelt bei gleichwertiger Arbeit geschaffen sind, liegen die Löhne für Frauenarbeit in der Bundesrepublik ca. 30 % niedriger als die für Männerarbeit (19). Die Autorin geht der Frage nach, warum diese rechtlichen Prinzipien bisher ohne praktische Bedeutung geblieben sind und inwieweit eine rechtliche Handhabe auf der Basis des praktischen Anspruchs gegeben ist. Die Ursachen für dieses Problem liegen vielschichtig: Entgeltdiskriminierung ist ihrer Analyse zufolge tief im tariflichen System eingebettet. Weitere Gründe, warum der Rechtsanspruch keine Rechtswirklichkeit erreicht hat, liegen in seiner Ausgestaltung der "Klagezentriertheit" (363). Aufbauend auf diesen Erkenntnissen bietet Winter einen praktischen Lösungsvorschlag anhand von Erfahrungen in der Provinz Ontario/Kanada, der den strukturellen Charakter des Problems berücksichtigt (363). Leider greift die Arbeit in ihren sozialen Implikationen sehr kurz, so daß die Frage offen bleibt, ob sich eine strukturelle Beseitigung ohne das Problembewußtsein beim Gesetzgeber durchsetzen läßt.
Stefan Göhlert (SG)
M. A., Politikwissenschaftler, Protokollchef und Bürgerbeauftragter in der Verwaltung der Stadt Jena.
Rubrizierung: 2.262 | 2.342 | 2.36
Empfohlene Zitierweise: Stefan Göhlert, Rezension zu: Regine Winter: Gleiches Entgelt für gleichwertige Arbeit. Baden-Baden: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7629-gleiches-entgelt-fuer-gleichwertige-arbeit_10133, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 10133
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M. A., Politikwissenschaftler, Protokollchef und Bürgerbeauftragter in der Verwaltung der Stadt Jena.
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