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/ 11.06.2013
Uwe Rohwedder

Helmut Schmidt und der SDS. Die Anfänge des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes nach dem Zweiten Weltkrieg

Bremen: Edition Temmen 2007 (Studien der Helmut und Loki Schmidt-Stiftung 2); 107 S.; hardc., 14,90 €; ISBN 978-3-86108-880-6
Die Tatsache, dass Schmidt einst selbst zu den Mitbegründern des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes gehörte und 1947/48 gar dessen Vorsitzender in der britischen Zone war, ruft nicht selten „ungläubiges Erstaunen“ (11) hervor, zählte Schmidt doch später zu den „robusten Kritikern der Studentenbewegung im Allgemeinen und zu den Gegnern des SDS im Besonderen“ (9), notiert Barbara Vogel im Vorwort. Der Historiker Rohwedder beschreibt die Anfänge des SDS und die führende Rolle, die Schmidt dabei einnahm. Damit wählt er einen bisher in der Geschichtsschreibung vernachlässigten Zugang, denn zumeist wurde der SDS unter dem Blickwinkel seiner Bedeutung in der Studentenbewegung der 60er-Jahre betrachtet. Für die erste Nachkriegsgeneration sei der SDS primär „Bildungserlebnis“ und „Heimat“ gewesen, er habe „eine wichtige Funktion bei der allmählichen ‚Re-Zivilisierung’ und Demokratisierung der einstigen ‚HJ-’ bzw. ‚Kriegsjugendgeneration’ erfüllt […], was von den Alliierten im Rahmen ihrer Umerziehungs- und Demokratisierungspolitik […] mitintendiert war“ (13 f.). Für Schmidt habe der SDS eine Plattform geboten, um führenden Sozialdemokraten, wie Kurt Schumacher, zu begegnen und sich gemeinsam mit Gleichgesinnten zu entwickeln. Es sei das Verdienst Schmidts gewesen, den Studentenbund vor einer Zerreißprobe zu bewahren, indem er den Ausschluss kommunistischer Mitglieder durchsetzte, resümiert Rohwedder. Zudem sei es Schmidt auf der internationalen Konferenz von Barsbüttel 1948 gelungen, „nachhaltig zum gegenseitigen Verständnis der Teilnehmer [beizutragen] und die deutsche Studentenschaft auch auf europäischer Ebene wieder ‚anschlussfähig’ zu machen“ (76). Nach dem Abgang der Gründergeneration sei der SDS zunächst in ein Tief geraten und erst nach 1950 wiederbelebt worden, sodass sich fast von einer Neugründung sprechen lässt.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3132.32.331 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Uwe Rohwedder: Helmut Schmidt und der SDS. Bremen: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9553-helmut-schmidt-und-der-sds_32049, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 32049 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA