/ 15.08.2013
Peter Fischer / Basil Kerski / Isabel Röskau-Rydel / Krzysztof Ruchniewicz / Sabine Stekel (Hrsg.)
Inter Finitimos 10 (2012) Jahrbuch zur deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte. Themenschwerpunkt: Museen und Ausstellungen
Osnabrück: fibre 2013; 303 S.; 18,- €; ISBN 978-3-938400-89-0Seit nunmehr 20 Jahren (ab 2003 in einer „Neuen Folge“) widmet sich das von der Deutsch‑Polnischen Gesellschaft und dem Willy Brandt‑Zentrum für Deutschland‑ und Europastudien an der Universität Wrocław verantwortete Periodikum den Beziehungen zwischen Deutschland und Polen – ein Themenfeld, das noch immer für kontroverse Debatten gut ist. In der Jubiläumsausgabe wird schwerpunktmäßig die Darstellung der Beziehungen in Museen und Ausstellungen in beiden Ländern untersucht, mithin also der (quasi‑)offizielle Blick auf die gemeinsame Vergangenheit. Die 15 Artikel dazu zeigen, wie stark eine transnationale Perspektive in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen hat und mittlerweile zum selbstverständlichen Instrumentarium der Darstellungspraxis gehört. Dies ist zunächst in Großeinrichtungen wie dem Deutschen Historischen Museum Berlin der Fall. Die österreichische Historikerin Andrea Brait erläutert, dass in dessen Dauerausstellung die deutsch‑polnischen Beziehungen sehr ausführlich mitbedacht werden, „ohne sensible Themenkomplexe wie die NS‑Verbrechen oder die Vertreibung der Deutschen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auszusparen“ (34 f.). Zugleich werde hier keine isolierte Nationalgeschichte beschrieben, sondern ein europäischer Zusammenhang hergestellt. Darüber hinaus werde auch in kleineren Museen die Darstellung internationaler Zusammenhänge wichtiger, wobei noch gewisse nationale Unterschiede festzustellen seien. Der am Deutschen Historischen Institut in Warschau forschende Historiker Jens Boysen konstatiert, dass etwa polnische Militärmuseen noch eher traditionell geprägt seien und „zur Konstruktion egozentrischer nationaler Narrative“ (53) neigten. Gleichwohl finde auch dort zunehmend eine Modernisierung von Methoden und Sichtweisen statt. Von besonderer Relevanz im Hinblick auf die deutsch‑polnischen Beziehungen erscheinen Ausstellungsprojekte, die in den Vertreibungsgebieten angesiedelt sind. Markus Bauer, der Direktor des Schlesischen Museums zu Görlitz, findet für Schlesien zwar noch immer divergierende Geschichtsbilder vor. Diese finden jedoch „inzwischen Anschluss aneinander und beginnen zu konvergieren“ (70).
Martin Munke (MUN)
M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.23 | 2.61 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Peter Fischer / Basil Kerski / Isabel Röskau-Rydel / Krzysztof Ruchniewicz / Sabine Stekel (Hrsg.): Inter Finitimos 10 (2012) Osnabrück: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36059-inter-finitimos-10-2012_44200, veröffentlicht am 15.08.2013.
Buch-Nr.: 44200
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M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
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