/ 19.06.2013
Gabriele Rollnik / Daniel Dubbe
Keine Angst vor niemand. Über die Siebziger, die Bewegung 2. Juni und die RAF
Hamburg: Edition Nautilus 2004; 127 S.; 9,90 €; ISBN 3-89401-436-9Der Schriftsteller und Journalist Dubbe interviewt das ehemalige Mitglied der „Bewegung 2. Juni" Rollnik. In diesem Zeitdokument zieht Rollnik Bilanz: Welche Erfahrungen hat sie in ihrem Leben im Untergrund gemacht? Wie sahen die politischen oder gesellschaftlichen Perspektiven aus? Und wie blickt sie heute, nachdem sie 15 Jahre im Gefängnis verbracht hat, auf ihre Vergangenheit zurück? Die ehemalige Soziologiestudentin und AEG-Montiererin Rollnik erzählt über ihre Erlebnisse mit der Bewegung, die sich von der RAF („zu starr in Bezug auf ihre Linie" [26]) abgrenzte, den Kontakten zwischen den Aktivisten, den Beziehungen zur PLO, Banküberfällen und Befreiungen von staatlich inhaftierten Mitgliedern der Bewegung. Rollnik berichtet über persönliche Erfahrungen, die sie in ihrer Zeit in Einzelhaft und in sechs Hungerstreiks gemacht hat. Abschließend resümiert Rollnik, dass sich die „Bewegung 2. Juni" als „Vorkämpfer" für eine „Umwälzung [...] eines institutionellen Faschismus" (114 f.) gesehen habe. Sie konstatiert kritisch, dass die Aktivisten damals glaubten, „über eine höhere Berechtigung zu verfügen" (115). Den heutigen Staat betrachtet Rollnik als nicht faschistisch, betont aber, dass es in jeder Demokratie „noch die Möglichkeit zum Ausnahmezustand" gebe (118). Das Interview ist ein interessantes Zeitdokument der 70er-Jahre, das als ein Stück „oral history" einen Einblick in eine turbulente Zeit bundesdeutscher Geschichte gibt.
Oliver Trede (OT)
Dr. phil., Historiker/Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.37 | 2.313
Empfohlene Zitierweise: Oliver Trede, Rezension zu: Gabriele Rollnik / Daniel Dubbe: Keine Angst vor niemand. Hamburg: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21186-keine-angst-vor-niemand_24715, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 24715
Rezension drucken
Dr. phil., Historiker/Politikwissenschaftler.
CC-BY-NC-SA