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/ 21.06.2013
Pippo Battaglia / Leoluca Orlando (Hrsg.)

Leoluca Orlando erzählt die Mafia. Aus dem Italienischen von Udo Richter

Freiburg i. Br.: Herder 2008; 319 S.; geb., 19,95 €; ISBN 978-3-451-29881-3
In Form eines Interviews schildern der bekannte italienische Journalist Battaglia und der Politiker Orlando die Machenschaften der Mafia. Orlando, der lange Zeit Bürgermeister von Palermo war und noch heute gegen die Mafia kämpft, verfolgt die Geschichte der Mafia somit seit Jahrzehnten aus unmittelbarer Nähe. Der historische Zeitraum reicht von den Aktivitäten der Mafia in den Anfängen der italienischen Republik der fünfziger Jahre bis in die unmittelbare Gegenwart. Ein interessantes Kapitel ist der Vatikanbank (Istituto per le opere religiose, IOR) gewidmet. Orlando hält fest: „Unter der Leitung von Paul Marcikus wurde das IOR nicht nur zu einem Knotenpunkt der Geldwäsche, sondern auch für internationale Operationen verschiedener Art“ (99). So wurde beispielsweise der Waffenhandel für den Falkland-Krieg über das IOR abgewickelt. Als Papst Johannes Paul II. sehr verspätet den mafiösen Einfluss zurückdrängen wollte und in Sizilien eine strenge Rede gegen die Mafia hielt, detonierten in Rom vor zwei Kirchen Bomben. Auch die Versuche der Mafia in den 90er-Jahren, in Konfrontation mit dem Staat politischen Einfluss zu gewinnen, werden ausführlich geschildert. So verlangte die Mafia die Revision von Verurteilungen, die Rückgabe von Vermögensgütern, die durch die Lex Rognoni/La Torre konfisziert worden waren und anderes. Orlando beschreibt sehr nüchtern: „1994 vollzieht sich die Erneuerung der Politik und gleichzeitig der Mafia – und zwar nach ähnlichen kulturellen Grundideen“ (221) und Battaglia erinnert im Kontext zweier Anschläge, „wie Berlusconi und Dell'Utri Beziehungen von nicht nur episodischem Charakter mit den Beschuldigten unterhalten haben, denen die [...] Massaker zur Last gelegt werden“ (231). Das zukünftige Aktionsfeld der Mafia sehen die Autoren vor allem im Finanzwesen. Viele Ausführungen des Buches beruhen auf Vermutungen und Indizien. Dies ist jedoch wohl weniger eine Schwachstelle der Publikation, sondern mehr in der Natur der Materie begründet.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.252.61 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Pippo Battaglia / Leoluca Orlando (Hrsg.): Leoluca Orlando erzählt die Mafia. Freiburg i. Br.: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29875-leoluca-orlando-erzaehlt-die-mafia_35393, veröffentlicht am 16.12.2008. Buch-Nr.: 35393 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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