/ 03.06.2013
Alfred Grosser
Mein Deutschland
München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1996; 320 S.; 19,90 DM; ISBN 3-423-30514-2"Ich muß gestehen, daß ich nicht immer weiß, ob ich als Politologe forsche und schreibe oder als Historiker, als Moralist und als Internationalist." (90) Grosser berichtet in dieser Autobiographie als Zeitzeuge, Kommentator und Kritiker von Krisen und Wendepunkten in der deutschen Politik, von der Nachkriegszeit bis über die Wiedervereinigung hinaus. Deutlich wird sein Selbstverständnis nicht nur als Beobachter, sondern als teilnehmender Mittler im deutsch-französischen Verhältnis. Hervorzuheben sind Grossers Vergleiche der Perzeption von politischen Ereignissen in der deutschen und in der französischen Öffentlichkeit. Durch seine journalistische Tätigkeit in Deutschland und in Frankreich hat er sich gegen vorherrschende und wiederkehrende Vorurteile und Klischees eingesetzt. Als ein Beispiel für seine Position jenseits nationaler Konfliktlinien mögen seine Erinnerungen an die deutsch-französischen Spannungen während der Terrorismus-Krise 1977 dienen: "Es ging mir vor allem darum, die Eskalation zwischen den deutschen und französischen Medien zu unterbrechen. Jede Seite hatte und gab ein anderes Bild der anderen, was die andere dazu verleitete, noch entstellender zu berichten" (238). Ein spannender Zugang zur deutschen Geschichte.
Stefan Lembke (SL)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.313 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Stefan Lembke, Rezension zu: Alfred Grosser: Mein Deutschland München: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/689-mein-deutschland_495, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 495
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M. A., Politikwissenschaftler.
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