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/ 22.06.2013
Dareg A. Zabarah

Nation- and Statehood in Moldova. Ideological and political dynamics since the 1980s

Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2011 (Balkanologische Veröffentlichungen 53); XII, 212 S.; 48,- €; ISBN 978-3-447-06472-9
Diss. LMU München; Begutachtung: M. Mommsen, H. Grandits. – Moldawien spaltete sich zum Ende des Ost-West-Konfliktes in drei Entitäten, die jeweils parallel zueinander verschiedene Strukturen aufbauten: erstens Zentralmoldawien, das loyal zur Chişinău-Regierung stand, zweitens der hochindustrialisierte Part östlich des Flusses Dniester, der Tiraspol als seine Hauptstadt ansah, sowie drittens der südliche Teil um die Stadt Comrat, der voll allem von ländlichen Strukturen geprägt wurde. Diese innere Spaltung der Region war auch in der Zeit nach ihrer Unabhängigkeit zu beobachten: Obgleich Moldawien ein Land ist, existierten nach 1991 neben der offiziellen Republik zwei quasi-staatliche, autonome Gebiete: die Pridnestrovskaja Moldavskaja Respublika (PMR) und die Gagauzia. Zabarah klärt in seiner Studie vor allem, welche verschiedenen Konzepte nationalistischer Eigenständigkeitsbestrebungen sich seit 1988 auf dem Gebiet des heutigen Moldawien entwickelt haben, welche unterschiedlichen Gründe im Detail dazu führten, dass ein Konzept einflussreich werden konnte, ein anderes aber nicht und wie sich die Konzepte im Zeitverlauf wandelten. Hierfür kombiniert der Autor konstruktivistische Annahmen (diese nutzt er vor allem für die Erklärung nationalistischer Tendenzen mithilfe von Ideen) mit einem neu-institutionalistischen Ansatz von Vivien Schmidt (sie betont die Rolle von Ideen bei der Entstehung von Institutionen als Erklärungsfaktor) und untersucht damit die wirkmächtig und nicht-wirkmächtig gewordenen, elitegeführten Diskurse über Nation- and Statehood. Die innerhalb der Republik Moldawien entstandenen nationalen Ideen bündelt Zabarah zu drei verschiedenen Kategorien: Er spricht erstens vom rumänischen Nationalismus, der vor allem von der Popular Front of Moldova, dem moderaten Kongress der Bauern und Intellektuellen sowie der Christlich-Demokratischen Volksfront vertreten wurde, zweitens vom moldawischen Nationalismus, der von der moldawischen Kommunistischen Partei, Präsident Snegur und der Bauernpartei proklamiert wurde, sowie drittens vom moldawischen Multinationalismus, für den sich die Sozialistische Partei und der Unitate-Edinstvo Movement Block stark machten. Letzterem sei es durch seine Regierungsbeteiligung gelungen, die multinationale Idee auf die Agenda zu bringen, wenngleich sie sich nicht habe durchsetzen lassen. Auch der Gedanke einer Vereinigung mit Rumänien sei von der übergroßen Bevölkerungsmehrheit abgelehnt worden, sodass sich der moldawische Nationalismus habe durchsetzen können. Diese in den beiden autonomen Gebieten Gagauzia und PMR geführten Diskurse werden separat analysiert.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.612.22.22 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Dareg A. Zabarah: Nation- and Statehood in Moldova. Wiesbaden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34609-nation--and-statehood-in-moldova_41582, veröffentlicht am 05.04.2012. Buch-Nr.: 41582 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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