/ 22.06.2013
Peter Altmiks / Jürgen Morlok (Hrsg.)
Noch eine Chance für die Soziale Marktwirtschaft? Rückbesinnung auf Ordnungspolitik und Haftung
München: Olzog 2012; 192 S.; hardc., 26,90 €; ISBN 978-3-7892-8338-3Jürgen Morlok, Ökonom und langjähriges Vorstandsmitglied der Friedrich-Naumann-Stiftung, bezieht anlässlich seiner Pensionierung in einem Herausgeberband Stellung zu aktuellen wirtschaftspolitischen Fragen. Der Emeritus eröffnet die Reihe der Beiträge mit der folgenden, wenig differenzierten Aussage: „Die altbewährte Ordnung der Bundesrepublik, die Leistung ermutigt und zu Wohlstand führt, wird durch immer neue Eingriffe schleichend zersetzt.“ (14) Gemeint sind regulierende Eingriffe des Staates, die nach Ansicht des Autors in den vergangenen Jahren exponentiell zugenommen haben. Morlok postuliert anschließend: „In der Rangliste der ökonomisch freien Staaten ist Deutschland in den letzten 29 Jahren (sic!) von Platz 9 auf Platz 21 gefallen.“ (15) Nun widerspricht die Vorstellung einer immer weiter um sich greifenden Regulierung in Deutschland sowohl der Intuition als auch einer eingehenden Analyse der Ursachen der gegenwärtigen Finanzkrise, und überhaupt ist in den vergangenen 29 Jahren einiges passiert. Doch mit dieser Eröffnung ist die Richtung der anderen Beiträge u. a. von Wolfgang Gerhardt und Karl-Heinz Paqué schon angelegt. Staatliche Eingriffe – insbesondere zu sozialen Zwecken – werden als schlecht angesehen und eine reine Marktwirtschaft wird gefordert. Großbritannien und anderen Staaten wird zur Armutsbekämpfung die Privatisierung von Staatsbetrieben empfohlen, wobei die teilweise äußerst negativen Erfahrungen mit dieser Maßnahme anscheinend nicht zu einer differenzierteren Betrachtungsweise geführt haben. Interessant ist ferner die Bedeutungsverschiebung des Begriffs der sozialen Marktwirtschaft, die vorgenommen wird: Der Begriff wird verengt auf den Neoliberalismus Hayeks, die wesentlich korporatistischer und sozialstaatlicher angelegten Beiträge Euckens und Röpkes treten dahinter deutlich zurück. Und so geht es weiter und weiter. Das Buch verfolgt keine wissenschaftlichen Ziele, sondern ist eher als eine politische Positionsbestimmung zu verstehen. Durch seine Parteitagsrhetorik dürfte das Buch die liberalen Leser dabei eher verschrecken.
Kristian Klinck (KLI)
Dr. rer. pol., Politikwissenschaftler, Lehrbeauftragter, Institut für Sozialwissenschaft, CAU Kiel.
Rubrizierung: 5.45 | 2.3
Empfohlene Zitierweise: Kristian Klinck, Rezension zu: Peter Altmiks / Jürgen Morlok (Hrsg.): Noch eine Chance für die Soziale Marktwirtschaft? München: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35298-noch-eine-chance-fuer-die-soziale-marktwirtschaft_42515, veröffentlicht am 25.10.2012.
Buch-Nr.: 42515
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Dr. rer. pol., Politikwissenschaftler, Lehrbeauftragter, Institut für Sozialwissenschaft, CAU Kiel.
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