/ 20.06.2013
Hartmut Behr / Mathias Hildebrandt (Hrsg.)
Politik und Religion in der Europäischen Union. Zwischen nationalen Traditionen und Europäisierung
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2006 (Politik und Religion); 500 S.; brosch., 49,90 €; ISBN 978-3-531-15309-4Die Dokumentation einer Tagung des Arbeitskreises „Politik und Religion“ der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft von 2002 in Tutzing ist in vier Themenfelder untergliedert. Dabei dienen die mittleren Themenbereiche der deskriptiven Entfaltung des Verhältnisses von Politik und Religion zunächst in einigen alten (Deutschland, Großbritannien, Irland, Italien, Niederlande, Spanien, Griechenland), daraufhin auch in neuen (Polen, Slowakei, Malta) und prospektiven (Türkei, Bosnien-Herzegowina, Ukraine) Mitgliedsstaaten. Die begrenzte Auswahl der Staaten wird mit dem Umfang des Bandes begründet, eine umfassende Darlegung wäre wünschenswert gewesen – insbesondere das laizistische Frankreich und das lutherische Dänemark stehen für spezifische Entwicklungen. Gerahmt wird die Beschreibung durch übergreifende Fragestellungen mit normativem Gehalt. Im ersten Themenfeld wird analysiert, wie Europa als Idee in den entsprechenden Religionen präsent ist; näherhin werden eine evangelische, katholische, orthodoxe, muslimische und jüdische Perspektive vorgestellt – eingeleitet durch eine humanistische Darlegung, die Europa als Gegenprojekt zum Konzept des christlichen Abendlandes verstanden wissen will, sodass die maßgeblichen weltanschaulichen Sichtweisen einbezogen worden sind. Abschließend werden politikwissenschaftliche Interpretationen zur Religion in Europa präsentiert, die den ersten Zugang ergänzen. Hier geht es vor allem um die Frage, inwiefern Europa, über (sicherheits-)politische und wirtschaftliche Interessen hinaus, auch religiös verankert sein müsse und ob dies von den positiven Religionen geleistet werden könne oder durch eine Zivilreligion verstärkt werden müsse. Insgesamt überzeugen die Aufsätze durch eine differenzierte Darlegung sowohl der internen Spannungen in den Religionen (hervorgerufen durch gesellschaftlichen Bedeutungsverlust und Diversifizierung der Frömmigkeit) als auch deren unterschiedliche Verankerung in Staat und Gesellschaft, die durch den Vergleich der alten mit den neuen Mitgliedern klar konturiert wird.
Volker Stümke (VS)
Dr., evangelischer Theologe, Priv.-Doz. für evangelische Sozialethik, Führungsakademie der Bundeswehr Hamburg.
Rubrizierung: 3.5 | 3.4 | 2.23 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Volker Stümke, Rezension zu: Hartmut Behr / Mathias Hildebrandt (Hrsg.): Politik und Religion in der Europäischen Union. Wiesbaden: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21851-politik-und-religion-in-der-europaeischen-union_32615, veröffentlicht am 03.12.2007.
Buch-Nr.: 32615
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dr., evangelischer Theologe, Priv.-Doz. für evangelische Sozialethik, Führungsakademie der Bundeswehr Hamburg.
CC-BY-NC-SA