Skip to main content
/ 18.06.2013
Ute Wachendorfer-Schmidt

Politikverflechtung im vereinigten Deutschland

Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2003; 448 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 3-531-13865-0
Habilitationsschrift Heidelberg. - In dieser ambitionierten Arbeit unternimmt es die Verfasserin, die Leistungsfähigkeit des Föderalismus im vereinigten Deutschland zu überprüfen. Dies geschieht entlang von vier Fallstudien zur deutschen Einheit (Kapitel 2) und anhand von Analysen zur Vertiefung der europäischen Einigung (Kapitel 3), zur Finanzverteilung im unitarischen Bundesstaat (Kapitel 4) sowie zur Regionalförderung zwischen innerdeutschem und europaweitem Ausgleich (Kapitel 5). Dieses, für sich alleine genommen bereits anspruchsvolle, Unterfangen wird verbunden mit einem Test der zurzeit gebräuchlichsten Theorien, die sich um die Problemlösungsfähigkeit des deutschen Bundesstaates drehen: Die Politikverflechtungstheorie, die Theorie des dynamischen Föderalismus und die Strukturbruchtheorie zum Parteienwettbewerb im Bundesstaat. Trotz der stellenweise durchscheinenden Neigung, im Kapitel zur deutschen Einheit einige apologetische Passagen der Kohl'schen Erinnerungen ein wenig unkritisch zu übernehmen, bieten die Fallstudien zusammengenommen ein facetten- und lehrreiches Bild zur Problemlösungsfähigkeit des deutschen Föderalismus unter wechselnden Konditionen. Gemäß diesem differenzierten Bild fällt auch das Urteil zum Problemlösungsverhalten aus (Kapitel 6): So trifft es der Verfasserin zufolge zwar zu, dass die Politikverflechtung Mängel im Entscheidungsverhalten hervorbringe, gleichwohl könnten sich Rahmenbedingungen wie politisch-pluralistischer Prozess und politisch-konstitutionelle Strukturen durchaus günstig auswirken. Insoweit sei politische Steuerung im deutschen Föderalismus durchaus flexibel und die Politikverflechtung auch zur Problemlösung fähig. Die um andere Verfassungsstrukturen und den politisch-pluralistischen Prozess erweiterte Politikverflechtungstheorie sei letztlich auch am ergiebigsten für die Erklärung der untersuchten Steuerungsleistung in den vier Politikfeldern. In jedem Fall wird mit dieser Arbeit die Diskussion zum deutschen Föderalismus und dessen Reformfähigkeit kompetent zusammen- und fortgeführt sowie um Forschungsperspektiven erweitert.
Roland Lhotta (RL)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3252.323.1 Empfohlene Zitierweise: Roland Lhotta, Rezension zu: Ute Wachendorfer-Schmidt: Politikverflechtung im vereinigten Deutschland Wiesbaden: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18665-politikverflechtung-im-vereinigten-deutschland_21646, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 21646 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA