/ 11.06.2013
Thorsten Cabalo
Politische Union Europas 1956-1963
Köln: PapyRossa Verlag 1999 (PapyRossa Hochschulschriften 31); 508 S.; 58,- DM; ISBN 3-89438-193-0Der Autor zeichnet auf Grundlage britischer und deutscher Akten die Anfangsjahre der europäischen Integration von 1957 bis 1963 nach und kommt dabei zu einer Neubewertung dieser Zeitspanne. Konzipiert als ein "atlantischer Mantel", um sowohl eine sowjetische wie deutsche Dominanz in Europa zu vermeiden, entwickelte sich ein eigenständiges Integrationsprojekt, das in eine Politische Union münden sollte. Warum es in den Anfangsjahren bei einer wirtschaftlichen Integration blieb, versucht Cabalo nicht nur mit der geringen Bereitschaft, Souveränität aufzugeben oder mit den Sonderinteressen einiger Bündnispartner zu erklären. Vielmehr beleuchtet er die Rolle der atlantischen Gemeinschaft, deren Existenz ein eigenständiges Europa in mancher Hinsicht überflüssig machte. Durch das Ungleichgewicht innerhalb des atlantischen Bündnisses und die damit verbundene europäische Abhängigkeit von den USA "war einer 'gaullistischen' Politik von vornherein der Boden entzogen" (483). Wiederholte Versuche, die Politische Union voranzutreiben, scheiterten wie Cabalo aufzeigt nicht selten an Konflikten und Widersprüchen innerhalb des europäischen Bündnisses, was dem Buch eine gewisse Aktualität zuweist.
Inhaltsübersicht: I. Europäische Politische Zusammenarbeit und Rüstungskooperation 1956/57: Der kurzlebige Versuch eines eigenen europäischen Weges innerhalb des Bündnisses: 1. Vorschläge für eine europäische Föderation und die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft; 2. Europäische Rüstungskooperation: multilateral oder bilateral, nur konventionell oder auch atomar?; 3. Das britische Nuklearprogramm und der Abbau der Rheinarmee. II. Interdependenz zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien. Wiederherstellung eines atlantischen Orientierungsrahmens für die westliche Einheit und Konsolidierung der EWG unter Ausschluss Großbritanniens: 4. 'Interdependenz': Stationierung ballistischer US-Mittelstreckenraketen in Europa und erweiterte politische Konsultation in der NATO; 5. Wie groß ist Europa? Französische Direktoratspläne, Fortsetzung der europäischen Integration zu sechst und deutsch-französische Freundschaft; 6. Von der europäischen zur atlantischen Rüstungskooperation. III. Verhandlungen über eine Europäische Politische Union und einen Beitritt Großbritanniens zu den Europäischen Gemeinschaften und ihre atlantische Einbettung (1959-1962): 7. Sechs bis Sieben Regierungen suchen das Gespräch; 8. Tripartismus, Nato-Reorganisation, Atlantische Gemeinschaft. IV. Das Loch in der Brücke: Scheitern einer Europäischen Politischen Union ohne Großbritannien, de Gaulles Veto gegen einen britischen EWG-Beitritt und eine Atlantische Gemeinschaft und der deutsch-französische Vertag: 9. Scheitern der Fouchet-Verhandlungen und Kurs auf eine deutsch-französische Separatsverständigung; 10. Der deutsch-französische Vertrag und das Scheitern der britischen Beitrittsverhandlungen. Schluss: Das Scheitern der politischen Union Europas im Interessensgeflecht des Status quo und der funktionale Sonderbereich "Europäische Gemeinschaften".
Minouche Monaco (MM)
Rubrizierung: 3.1
Empfohlene Zitierweise: Minouche Monaco, Rezension zu: Thorsten Cabalo: Politische Union Europas 1956-1963 Köln: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11954-politische-union-europas-1956-1963_14257, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 14257
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