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/ 03.06.2013
Helmut Voelzkow

Private Regierungen in der Techniksteuerung. Eine sozialwissenschaftliche Analyse der technischen Normung

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 1996 (Schriften des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung 24); 380 S.; 78,- DM; ISBN 3-593-35427-6
Politikwiss. Habilschrift Bochum. - Der Autor untersucht das verbandliche System technischer Normierung in Europa aus einer steuerungs- und demokratietheoretischen Perspektive. Vor dem Hintergrund einer möglichen Staatsentlastung erscheinen "private Regierungen", z. B. das Deutsche Institut für Normung e. V. (DIN), als eine attraktive Lösung. Allerdings wird vielfach die demokratische Legitimität ihrer Tätigkeit bestritten. Zur Kompensation solcher Defizite, dem "Dilemma der politischen Verbändesoziologie" (35), befürwortet der Autor gezielte Interventionen der staatlichen Akteure in den verbandlichen Bereich der Selbstregulierung. Aufbauend auf einem theoretischen und empirischen Überblick sowie einem Fallbeispiel faßt Voelzkow im sechsten Kapitel die Voraussetzungen für verbandliche Selbstregulierung zusammen. Für das Staatshandeln folgert er, daß im Rahmen der Ordnungspolitik die Handlungsfähigkeit der privaten Organisationen aufrechterhalten und die Ausrichtung ihres Handlungspotentials zugunsten öffentlicher Interessen attraktiv gestaltet werden muß, um eine "Symbiose" (217) mit dem Staat zu ermöglichen. Zudem sind staatliche Interventionsdrohungen nötig, damit Verbände Aufgaben erfüllen, für die sie aus der Sicht der Mitglieder ursprünglich nicht eingerichtet wurden. Voelzkow kommt zu dem Ergebnis, daß die Selbstregulierung durch Verbände im Sinne einer funktionalen, korporativen Repräsentation eine effektive und demokratietheoretisch vertretbare Ergänzung der territorialen Repräsentation sein kann. Dazu bedarf es jedoch staatlicher Eingriffe in die korporatistischen Arrangements durch prozedurale Steuerungsmaßnahmen, um eine Dominanz von Einzelinteressen zu verhindern. Im Bereich der Techniksteuerung in Deutschland (zu Europa Kap. 8) hat man dazu die Organisationen gestärkt, die das öffentliche Interesse bei der technischen Normung vertreten sollen: z. B. die vertragliche Einbindung von Gewerkschaften - als öffentliche Interessenträger im Bereich des Arbeitsschutzes - in den Normierungsprozeß durch das DIN. Die bisherigen, zweifellos unzureichenden Maßnahmen zeigen nach Voelzkow, daß die funktionalen Vorzüge korporatistischer Arrangements genutzt werden können, ohne die Kontrolle über die öffentliche Aufgabenwahrnehmung der privaten Regierungen zu verlieren und demokratietheoretische Maßstäbe zu verletzen.
Stefan Lembke (SL)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.3312.223.42.3422.262 Empfohlene Zitierweise: Stefan Lembke, Rezension zu: Helmut Voelzkow: Private Regierungen in der Techniksteuerung. Frankfurt a. M./New York: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/810-private-regierungen-in-der-techniksteuerung_666, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 666 Rezension drucken
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