/ 21.06.2013
Michael Ley / Klaus Lohrmann
Projekt Europa. Erfolge – Irrtümer – Perspektiven
Düsseldorf: Patmos Verlag 2007; 279 S.; geb., 24,90 €; ISBN 978-3-491-35002-1Den Mitgliedern der Europäischen Union wird häufig nachgesagt, ihnen mangele es an einer europäischen Identität, die die Grenzen nationalstaatlicher Zugehörigkeitsgefühle überschreite. Entgegen dieser Annahme prägten jedoch – so Ley und Lohrmann – traditionsbildende Ereignisse die Geschichte der europäischen Integration, deren Bedeutung für die Herstellung eines europäischen Bewusstseins nicht unterschätzt werden dürfe. Dass die europäische Integration schon immer den Widerständen souveräner Nationalstaaten gegenübergestanden habe, zeige sich sowohl anhand der ersten Jahre der Europäischen Gemeinschaft als auch in der jüngeren Vergangenheit. Die Autoren schildern ausführlich, welche politischen Ideen zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und der Euratom durch die Römischen Verträge von 1957 führten. Über allem habe der Gedanke gestanden, dass gemeinsame Ziele nur durch die Unterordnung rein nationaler Interessen erreicht werden könnten. Die Nationalstaaten erklärten sich jedoch häufig nicht zur Kompetenzabgabe bereit. In diesem Zusammenhang werden vor allem die Leistungen Jean Monnets und Robert Schumans gewürdigt, deren Initiativen die europäische Einigung maßgeblich vorantrieben. Doch auch wenn das Ziel der Integration auf politischer Ebene ehrgeizig verfolgt worden sei, sei die Öffentlichkeit damals weitgehend aus den Geschehnissen ausgeschlossen worden. In den folgenden Jahren habe die europäische Integration – zudem bedingt durch die weltweite ökonomische Vernetzung – eine gewisse Eigendynamik erfahren. Auch in dieser Phase haben Persönlichkeiten wie Jacques Delors, Helmut Kohl und François Mitterrand maßgeblich zur Fortentwicklung beigetragen. Abschließend wird hinterfragt, worauf die vielfach skeptische Europahaltung vieler Menschen zurückzuführen ist und welche Bedingungen für die Entstehung einer europäischen Zivilgesellschaft erfüllt sein müssten. Das Buch schildert anschaulich die grundlegenden Etappen der europäischen Integration und beschreibt, welche Ideen die europäische Einigung bis heute geprägt haben.
Maren A. Kreutler (geb. Becker) (MAB)
M. A., Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 3.1 | 2.61 | 3.7
Empfohlene Zitierweise: Maren A. Kreutler (geb. Becker), Rezension zu: Michael Ley / Klaus Lohrmann: Projekt Europa. Düsseldorf: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27456-projekt-europa_32171, veröffentlicht am 07.03.2008.
Buch-Nr.: 32171
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M. A., Politikwissenschaftlerin.
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