/ 12.06.2013
Alojz Ivanišević (Hrsg.)
Re-Sakralisierung des öffentlichen Raums in Südosteuropa nach der Wende 1989? Redaktion: Florian Tuder
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2012 (Pro Oriente 5); 210 S.; geb., 42,95 €; ISBN 978-3-631-62235-3Die Trennung von Staat und Kirche bei gleichzeitiger Religionsfreiheit ist in Demokratien weitgehend anerkennt und unstrittig. Doch die jüngste Geschichte Südosteuropas zeigt, dass die nach 1989 institutionell und politisch aufgewerteten Religionsgemeinschaften an der Aufhebung dieser ohnehin schwierigen und nicht klar vollzogenen Trennung arbeiten. Nach Ansicht des Herausgebers Alojz Ivaniševi? erheben sie „häufig den Führungsanspruch in der Gesellschaft, nicht nur in religiöser und moralischer, sondern auch in national‑politischer Hinsicht, und fühlen sich dazu berufen, als de facto nationale Institutionen, die Interessen der (eigenen) Nation und des Staates zu vertreten und zu ‚verteidigen‘“ (10). Diese Sicht unterstreicht auch Klaus Buchenau in seinem Beitrag. Er analysiert mithilfe von vier Kriterien (dem geopolitischen, dem Prestige‑ und dem institutionellen Faktor sowie der ethnisch‑religiösen Zusammensetzung) die orthodoxen Kirchen in Serbien, Bulgarien und Rumänien. Er arbeitet drei verschiedene Modelle des Verhältnisses zwischen Nation und Religion heraus und attestiert der Orthodoxie grundsätzlich die Möglichkeit zu nationalistischen Tendenzen. Ganz anders argumentiert Reihenherausgeber Alois Mosser, der auf das historisch gewachsene Spannungsverhältnis zwischen Religion und Öffentlichkeit eingeht und sich hier besonders auf den christlichen Glauben in Südosteuropa nach 1989 konzentriert. Da Glaube nicht rein privat sein könne, sondern immer auch beanspruche, allumfassende Orientierungshilfe im täglichen Leben zu sein, bedürfe er des öffentlichen Raumes, um sich überhaupt bewähren zu können. Seine Argumentation fortführend, plädiert Mosser daher für eine (vor allem christliche) Sakralisierung des gesellschaftlichen Lebens. Der Sammelband dokumentiert eine von der Stiftung Pro Oriente organisierte internationale Tagung, die im September 2010 in Graz stattfand. Die Stiftung möchte mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung der gemeinsamen, aber verschieden interpretierten Geschichte Südosteuropas zur Versöhnung beitragen.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.61 | 2.23 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Alojz Ivanišević (Hrsg.): Re-Sakralisierung des öffentlichen Raums in Südosteuropa nach der Wende 1989? Frankfurt a. M. u. a.: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14561-re-sakralisierung-des-oeffentlichen-raums-in-suedosteuropa-nach-der-wende-1989_43700, veröffentlicht am 05.06.2013.
Buch-Nr.: 43700
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M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
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