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/ 06.06.2013
Ulrich Baumgärtner

Reden nach Hitler. Theodor Heuss - die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus

Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 2001 (Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus, Wissenschaftliche Reihe 4); 479 S.; brosch., 19,90 €; ISBN 3-421-05553-X
Geschichtswiss. Diss. München. - Baumgärtners Untersuchung zielt auf drei Bereiche: "[D]ie Geschichte der 'Vergangenheitsbewältigung' in der Bundesrepublik Deutschland, die Rolle politischer Reden im historischen Prozeß und die Bedeutung von Theodor Heuss als Bundespräsident" (36). Im Zentrum steht dabei die rhetorische und zeitgeschichtliche Analyse größerer Reden von Heuss, dem als erstem Bundespräsidenten besondere Prägekraft für Inhalt und Stil der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zufiel. Nicht zuletzt begründete er mehrere Gedenktage; seine Begrifflichkeit ("Kollektivscham") wirkt teils bis heute fort. Baumgärtner zeichnet in verschiedenen Kapiteln aber auch nach, wie Heuss seine Reden zum "Teil seines präsidialen Programms, das wesentlich auf die Konsolidierung des neugegründeten demokratischen Staatswesens abzielte" (340) nutzte. Ihm ging es um die Etablierung von Demokratie als Lebensform und dabei suchte er die Möglichkeiten seines Amtes im Sinne "kulturelle[r] Deutungsmacht" (346) einzusetzen. Baumgärtner zeigt in diesem Kontext auch Unterschiede zwischen der ersten und der zweiten Amtszeit von Heuss auf und zeichnet nach, wie dieser in bemerkenswertem Ausmaß seine Reden selbst konzipierte und verfasste. Inhaltsübersicht: I. "... aber in der ideenpolitischen Auseinandersetzung offenbar ganz wirkungsvoll" - Die rhetorische Auseinandersetzung von Theodor Heuss mit dem Nationalsozialismus in der Reichstagssitzung am 11. Mai 1932. II. "Es wird eines ungeheuren seelischen Prozesses bedürfen, um diese Elemente aus dem Wesen der Deutschen auszuschneiden." - Der Beginn der rhetorischen Auseinandersetzung von Theodor Heuss mit dem Nationalsozialismus nach 1945. III. "... und es ist mir, ich weiß es selber, manchmal Gutes eingefallen, und es hat ein Lustgefühl des Produzierens geweckt. Aber es war in der Termin-Nähe auch manchmal eine arge Last" - Das Amt des Bundespräsidenten und der Redner Theodor Heuss. IV. "Die Rede ... war ja natürlich von mir auch als eine politische Handlung gesehen und zugesagt und in ihrem Duktus vorbereitet." - Die rhetorische Auseinandersetzung des Bundespräsidenten Heuss mit dem Nationalsozialismus.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 2.352.3132.324 Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Ulrich Baumgärtner: Reden nach Hitler. Stuttgart: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8788-reden-nach-hitler_17754, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 17754 Rezension drucken
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