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/ 22.06.2013
Peter van Dam

Religion und Zivilgesellschaft. Christliche Traditionen in der niederländischen und deutschen Arbeiterbewegung (1945-1980)

Münster u. a.: Waxmann Verlag 2010 (Zivilgesellschaftliche Verständigungsprozesse vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Deutschland und die Niederlande im Vergleich 2); 332 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 978-3-8309-2315-2
Geschichtswiss. Diss. Münster; Gutachter: F. Wielenga, J. Kennedy. – Welche Rolle hat Religion in der Zivilgesellschaft in Deutschland und in den Niederlanden gespielt? Diese Frage beantwortet van Dam anhand einer Fallstudie zur Arbeiterbewegung in beiden Ländern. Dies geschieht vor dem Hintergrund der grundlegenden Veränderungen der Rolle der Religion in den Jahren 1960 bis 1980. Dabei zeigt er, „dass religiöse Traditionen als individuelle Inspiration zum zivilgesellschaftlichen Engagement sowie auf der organisatorischen Ebene Einfluss auf die Gestaltung der Zivilgesellschaft genommen haben“ (298). Die Menschen hätten versucht, ihre Organisationen gemäß den religiösen Traditionen auszurichten. In den letzten 150 Jahren habe es jedoch einen Wandel der Ideen darüber gegeben, wie die Organisationen entsprechend gestaltet werden sollten. Im 19. Jahrhundert hätten sich sogenannte „schwere Gemeinschaften“ (46) formiert. Diese wiesen starke soziale Bindungen und einen hohen Integrationsgrad auf und prägten die Geschichte der Zivilgesellschaft in beiden Ländern. In den 60er- und 70er-Jahren habe eine Transformation zu „leichten Gemeinschaften“ (293) stattgefunden. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die durch ein hohes Maß an Wohlstand und eine große Mobilität geprägt seien, begünstigten weniger verbindliche Formen der zivilgesellschaftlichen Organisation. Im Zuge dieses Transformationsformationsprozesses seien religiöse Traditionen nicht aus der Zivilgesellschaft verschwunden, sondern in teilweise neuen Formen weiterhin relevant. Der Autor weist auf die Möglichkeit hin, eine gemeinsame Geschichte der Zivilgesellschaft für Deutschland und die Niederlande von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart zu schreiben und bietet somit mögliche Bausteine einer transnationalen Geschichte der Zivilgesellschaft. Damit leistet er nicht nur einen Beitrag zur Debatte über das Verhältnis von Religion und Zivilgesellschaft, sondern auch zur Frage nach den Möglichkeiten transnationaler Geschichtsschreibung.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.232.352.612.22 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Peter van Dam: Religion und Zivilgesellschaft. Münster u. a.: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32790-religion-und-zivilgesellschaft_39161, veröffentlicht am 02.02.2011. Buch-Nr.: 39161 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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