/ 01.08.2013
Diether Dehm (Hrsg.)
Revolution für Europa
Berlin: Das Neue Berlin 2013; 223 S.; brosch., 9,99 €; ISBN 978-3-360-02161-8Vorstellt wird in diesem Band der „Kampf für den Mindeststandard einer proeuropäischen […] sozial‑ und rechtsstaatlich orientierten demokratischen Revolution“ (23). Versammelt sind zu diesem Zweck die Stimmen einflussreicher europäischer Linker zu den großen Fragen eines grundlegenden Kurswechsels innerhalb der Europäischen Union. Dieses Anliegen als Revolution auszugeben soll davon zeugen, wie tiefgreifend die angestrebten Veränderungen sein müssen, und markiert dabei eher eine strategische Funktion der Abgrenzung gegenüber der vermeintlichen Heuchelei einer Politik der Mitte, als dass es im wahren Wortsinn zu begreifen wäre. Im Zentrum steht also das Plädoyer für ein fundamentales Umdenken in Bezug auf Ökonomie, Ökologie und die sozialen Fragen. Die Autor_innen verweisen dabei auf die zivilisatorischen Errungenschaften der Europäischen Union, die es gegen den Finanzkapitalismus zu verteidigen gelte. Viele prominente Vertreter_innen der Linkspartei legen in diesem Sinne ihre Ansichten vor, zu europäischen Verfassungsfragen (Gregor Gysi/Oskar Lafontaine) oder über das „trojanische Pferd“ (46) der Bankenrettungen (Sahra Wagenknecht). Dass ein dermaßen europäisches Anliegen auf internationaler Solidarität gebaut sein müsse, wird durch die Beiträge von griechischen (Alexis Tsipras) und spanischen (Willy Meyer/Maite Mola) Genoss_innen hervorgehoben. Denn nur ein breiter Zusammenschluss linker Kräfte könne der „äußerst komplizierte[n] Maschinerie im Dienste der Finanzwelt“ (100) entgegenwirken. Unter anderem dafür sei die Verbindung aus ökonomischen, politischen und kulturellen Zusammenhängen wichtig, die eine Künstlerkritik, wie die Konstantin Weckers, folglich mit einschließen müsse. Neben dem affirmativen Input und einer dem Band angehängten umfangreichen „Chronik der Krise“ wird so auch eine Bestandsaufnahme der europäischen Linken – vom spanischen Aufstand zur französischen Linksfront – möglich, die tatsächliche Erfolge benennen und Optimismus im Sinne der Sache befeuern kann. Vielleicht ist es noch keine Revolution, aber mindestens ein Manifest.
Alexander Struwe (AST)
B. A., Politikwissenschaftler, Student, Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Rubrizierung: 3.1 | 3.5 | 2.61 | 2.23 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Alexander Struwe, Rezension zu: Diether Dehm (Hrsg.): Revolution für Europa Berlin: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36009-revolution-fuer-europa_44127, veröffentlicht am 01.08.2013.
Buch-Nr.: 44127
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B. A., Politikwissenschaftler, Student, Goethe-Universität Frankfurt am Main.
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