/ 12.06.2013
Catherine Götze
Rudimentäre Zivilgesellschaften. Das Rote Kreuz auf dem Balkan
Münster: Lit 2005 (Berliner Schriften zur Humanitären Hilfe und Konfliktprävention 4); 271 S.; pb., 25,90 €; ISBN 3-8258-6821-4Politikwiss. Diss. Berlin; Gutachter: T. Risse. – Wie entsteht Zivilgesellschaft, und wie kann man diesen Prozess von außen steuern? Diese Frage beantwortet Götze, die sich mit Reformhilfen für nationale Rotkreuzgesellschaften auf dem Balkan befasst. Eine Grundannahme der Autorin ist, dass das Ideal von Zivilgesellschaft der westlich geprägten Modernisierung entspringt und dass die zivilgesellschaftlichen Akteure in den Ländern des Balkans selbst an einer Modernisierung i. S. einer Verwestlichung interessiert sind. Ihre Erforschung der Bedingungen, „die nötig sind, um den Individuen eines Landes zivilgesellschaftliches Handeln zu ermöglichen“ (56), nimmt als Kriterium die Perspektiven der betroffenen Akteure und beansprucht bewusst keine universelle und kontextunabhängige Gültigkeit. Neben der Untersuchung gesellschaftlicher Entwicklungen in fünf Ländern Südosteuropas auch durch eigene Feldforschung besteht eine wesentliche Leistung des Buches darin, das normativ konnotierte Konzept „Zivilgesellschaft“ für die empirische Analyse verwendbar zu machen. Götze entwickelt ein Dreiebenenmodell einer idealtypischen Zivilgesellschaft, die durch 1. freie und selbständige Individuen, 2. offene und deliberative Assoziationen und 3. vertrauenswürdige Rechtsstaaten gekennzeichnet ist. So kann sichtbar gemacht werden, inwieweit konkrete Länder von diesem Ideal abweichen und verschiedene Typen „rudimentärer Zivilgesellschaften“ darstellen. Zwar entgeht die Verfasserin nicht immer der Gefahr der Tautologie, indem sie etwa Zivilgesellschaft als eine Folge von Individualisierung bezeichnet (237), obgleich Individualisierung als integraler Bestandteil von Zivilgesellschaft definiert wurde (46). Dennoch ist die differenzierte und informierte Konzeptarbeit sehr gewinnbringend und in ihrer Klarheit gut zu lesen. Als praktische Schlussfolgerung gibt Götze interne Bedingungen einer Gesellschaft an, unter denen externe Modernisierungshilfen überhaupt erst fruchten können.
Tine Hanrieder (CTH)
M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
Rubrizierung: 2.22 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Tine Hanrieder, Rezension zu: Catherine Götze: Rudimentäre Zivilgesellschaften. Münster: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14220-rudimentaere-zivilgesellschaften_22536, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 22536
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M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
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