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/ 20.06.2013
Georg Essen

Sinnstiftende Unruhe im System des Rechts. Religion im Beziehungsgeflecht von modernem Verfassungsstaat und säkularer Zivilgesellschaft

Göttingen: Wallstein Verlag 2004 (Essener Kulturwissenschaftliche Vorträge 14); 103 S.; brosch., 14,- €; ISBN 3-89244-829-9
Essen, katholischer Theologe, formuliert in seinen zu einem stimmigen Text zusammengefügten Vorträgen aus dem Jahr 2003 ein eindeutiges Plädoyer für die Einfügung eines Gottesbezuges in die europäische Verfassung. Auch nach der diesbezüglich negativen Entscheidung bleibt die Schrift interessant, da sie - vorrangig am Grundgesetz orientiert - grundsätzlich den Sinn solcher Bezüge sowie wichtige Aspekte der Bedeutung des Christentums im säkularen Staat thematisiert. Essen setzt sich kritisch mit Habermas und mit dem vielfach rezipierten Satz Böckenfördes auseinander, dass moderne demokratische Verfassungsstaaten auf Voraussetzungen angewiesen sind, die sie nicht selbst schaffen können. Daraus entwickelt Essen eine Grundlegung für einen Gottesbezug in der Verfassung, die mit dem säkularen, demokratischen und freiheitlichen Staatsverständnis vereinbar sei. Der „Präambelgott“ dient in der Konzeption Essens weder einer christlichen Ausrichtung des Gemeinwesens noch einer Überhöhung des Staates. Vielmehr gilt: „In der nominatio dei erhält [...] die Selbstbeschränkung des modernen Verfassungsstaates ihren inhaltlich bestimmten Ausdruck: Der Staat hat seinen Sinn nicht in sich selbst, und es ist nicht seine Aufgabe Sinn zu produzieren.“ (76)
Julia von Blumenthal (JB)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
Rubrizierung: 2.232.21 Empfohlene Zitierweise: Julia von Blumenthal, Rezension zu: Georg Essen: Sinnstiftende Unruhe im System des Rechts. Göttingen: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22482-sinnstiftende-unruhe-im-system-des-rechts_25655, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 25655 Rezension drucken
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