Skip to main content
/ 21.06.2013
Irene Becker / Richard Hauser

Soziale Gerechtigkeit – ein magisches Viereck. Zieldimensionen, Politikanalysen und empirische Befunde

Berlin: edition sigma 2009 (Forschung aus der Hans-Böckler-Stiftung 104); 308 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-8360-8704-9
Angesichts zunehmender sozialer Ungleichheit gibt es gewiss genügend Anlässe, über (mangelnde) soziale Gerechtigkeit zu diskutieren. Allerdings zeigen die meisten einschlägigen Debatten – wenn es sich denn nicht nur um generelle, und damit unverbindliche Postulate handelt – wie schwierig es ist, Gerechtigkeitsfragen zu operationalisieren. Becker/Hauser sind sich dieser Problematik bewusst und grenzen sich in ihrem Vorhaben einer empirischen Fundierung sozialer Gerechtigkeit ebenso von normativen Ansätzen der Sozialphilosophie wie von denen einer soziologischen Gerechtigkeitsforschung ab, die die Verbreitung entsprechender Einstellungen erhebt. Mit einem vielleicht missverständlichen Begriff bezeichnen sie ihren Bezug zur Gerechtigkeitsfrage als dezisionistisch; gemeint ist damit der Ausgang von der Legalperspektive – also der gesetzlichen Konkretisierung des Sozialstaatsgebots in unterschiedlichen Rechtsmaterien. In diesem Zusammenhang entwerfen sie eine Zielsystematik, die zum einen auf der Mikroebene zwischen Chancen-, Leistungs- und Bedarfsgerechtigkeit sowie den Querschnittszielen der Geschlechter- und Generationengerechtigkeit unterscheidet. Zum anderen werden in einer Längsschnittperspektive Aspekte der Gerechtigkeit zwischen verschiedenen Generationen im Zeitablauf berücksichtigt. Die empirische Anwendung dieses Zielrasters – mit dem näherungsweise „Soll/Ist-Abweichungen“ (22) beschrieben werden könnten – geschieht in zwei Schritten. Zunächst geht es um eine Diskussion institutioneller Rahmenbedingungen (formale Zugangsberechtigung, Steuern- und Transferpolitik). In einem zweiten Schritt werden auf der Basis ausgewählter Sozialindikatoren die unter Gerechtigkeitsaspekten problematischen Entwicklungen in den verschiedenen Feldern erörtert. Auch wenn die Autoren konstatieren, dass eine „gleichzeitige und vollständige Erreichung aller Teilziele“ (275) nicht möglich ist, sehen sie dringenden Handlungsbedarf hinsichtlich Chancengleichheit (Bildung, Beruf, Einkommen) und Bedarfsgerechtigkeit (Anstieg der Armutsquote).
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.352.342 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Irene Becker / Richard Hauser: Soziale Gerechtigkeit – ein magisches Viereck. Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31735-soziale-gerechtigkeit--ein-magisches-viereck_37819, veröffentlicht am 13.04.2010. Buch-Nr.: 37819 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA