/ 05.06.2013
Gerhard Naegele / Rudolf-M. Schütz (Hrsg.)
Soziale Gerontologie und Sozialpolitik für ältere Menschen. Gedenkschrift für Margret Dieck
Opladen/Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 1999; 453 S.; brosch., 49,80 DM; ISBN 3-531-13240-7Soziale Gerontologie, d. h. die Erfahrung des Älterwerdens aus sozialwissenschaftlicher Sicht, ist in Deutschland noch immer eine junge Wissenschaftsdisziplin. Die Gedenkschrift für Dieck, die als renommierte Wissenschaftlerin maßgeblich an der programmatischen Begründung einer sozialpolitikwissenschaftlichen Forschungsrichtung der Gerontologie beigetragen hat, bietet eine solide Zusammenstellung des aktuellen Forschungsstandes der Sozialen Gerontologie. Mit umfangreicher Sekundärliteratur versehen sind die Beiträge der Gedenkschrift in ihrer interdisziplinären Perspektive weitgespannt: Nicht allein die Rentenpolitik steht im Vordergrund, obschon der aufklärende Aufsatz von Rürup die prinzipiellen Fragen der sozialen Sicherung auslotet und somit den Kern der parteipolitischen Rentendiskussion offenlegt, sondern die Soziale Gerontologie erfaßt gleichermaßen die Familien- und Generationsbeziehungen, die Lebenslagenforschung, die Möglichkeiten einer Arbeitsmarktpolitik für ältere ArbeitnehmerInnen sowie die Pflegepolitik, auch international. Somit greift diese Gedenkschrift das wesentliche Bemühen ihrer wissenschaftlichen Forschung auf: die Verbesserung der sozialen Ungleichheit älterer Menschen durch eine adäquate Sozialpolitik.
Inhalt: Gerhard Naegele / Rudolf-Maria Schütz: Zum Lebenswerk von Margret Dieck (10-13); Gerhard Naegele / Rudolf-Maria Schütz: Soziale Gerontologie, Lebenslagen im Alter und Sozialpolitik für ältere Menschen - Überblick über die Beiträge (14-28). I. Soziale Gerontologie in interdisziplinärer Perspektive: Gerhard Naegele: Soziale Ungleichheit als Gegenstand interdisziplinärer Forschung in Deutschland - zur Erinnerung an Margret Dieck (29-38); Hans-Joachim von Kondratowitz: Weiterhin schwierige Verhältnisse oder: Vom Nutzen und Nachteil der Historie für die Gerontologie (39-61); Hans-Werner Wahl / Heidrun Mollenkopf / Frank Oswald: Alte Menschen in ihren räumlich-dinglichen Umwelten: Herausforderung einer Ökologischen Gerontologie (62-84); Robert J. van Zonneveld: Social Gerontology and Social Geriatrics in The Netherlands - Some personal remarks on their origin and early development (85-92); Joep Mathieu André Munnichs: Sinn beim Altern - Über die Sinnfrage bei Alten (93-99). II. Beiträge zur sozialgerontologischen Lebenslagenforschung: Gertrud M. Backes: Erwerbslosigkeit im Lebensverlauf als soziales Alter(n)srisiko für Frauen (101-119); Marion Michel: Die Lebenssituation über 50jähriger in den neuen Bundesländern (120-140); Maria Dietzel-Papakyriakou: Wanderungen alter Menschen - Das Beispiel der Rückwanderungen der älteren Arbeitsmigranten (141-156). III. Familien- und Generationenbeziehungen: Leopold Rosenmayr: Alt und jung - Gegensatz oder Ergänzung? (157-169); Kees Knipscheer / Suzan van der Pas / Hans–Joachim Schulze: Modernity, Gender Roles and Intergenerational Solidarity (170-182). IV. Grundfragen der sozialen Sicherung und der Politik für das Alter: Bert Rürup: Rentenpolitik: Fakten, Fiktionen und Optionen (183-198); Frank Schulz-Nieswandt: Möglichkeiten und Gefahren in der zukünftigen medizinischen Versorgung älterer Menschen (199-216); Rudolf-M. Schütz: Geriatrie in Deutschland (217-225); Hans-Ulrich Klose: Politik in einer alternden Gesellschaft (226-237); Gerhard Naegele: Zur politischen Beteiligung älterer Menschen in Deutschland - unter besonderer Berücksichtigung der Seniorenvertretungen (238-248). V. Arbeitsmarktpolitik und Lebenslage älterer Arbeitnehmer: Gerhard Bäcker: Von der Frühverrentung zur Altersteilzeit: Alter Wein in neuen Schläuchen? (249-265); Wolfgang Clemens: Späte Erwerbstätigkeit, Verrentung und Ruhestandsanpassung von Frauen (266-281); Christoph Behrend: Soziale Sicherung bei Erwerbsunfähigkeit (282-299); Anton Amann: Alternde Arbeitskräfte und einige Selbstmißverständnisse der Sozialpolitik - das Beispiel Österreich (300-315). VI. Pflegepolitik und pflegerische Versorgung: Gerhard Igl: Die Pflegeversicherung hat die Welt der Pflege verändert - Skizzen zu einigen Grundfragen der Umsetzung der Pflegeversicherung (317-332); Willi Rückert: Die pflegerische Versorgung nach dem SGB XI - eine erste Bestandsaufnahme (333-345); Siegfried Gößling: Praktische Konsequenzen der veränderten Rahmenbedingungen für die Pflege älterer Menschen (346-354); Roland Schmidt: Pflegedienste im Wandel ambulanter Versorgungsstrukturen: Neue Konkurrenzen, veränderte Anforderungen (355-374); Peter Zeman: Probleme der Vernetzung von sozialen Diensten und Lebenswelt in häuslichen Pflegearrangements (375-387); Jens Bruder: Milieutherapie Demenzkranker (388-398). VII. Pflegepolitik in der internationalen Perspektive: Anne Jamieson: The Politics of Long-Term Care: Cross-National Perspectives (399-407); Svein Olav Daatland: Similarities and Contrasts in Scandinavian Care Policies (408-424). VIII. Ein persönlicher Rückblick aus Israel: Ursula Christiansen: ... interviewt Thea Nathan (425-429). IX. Ausgewählte Veröffentlichungen von Margret Dieck: Kari Thürkow: Überblick über die wichtigsten Veröffentlichungen von Margret Dieck (431-444).
Wilhelm Johann Siemers (Sie)
Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
Rubrizierung: 2.342 | 2.37
Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Johann Siemers, Rezension zu: Gerhard Naegele / Rudolf-M. Schütz (Hrsg.): Soziale Gerontologie und Sozialpolitik für ältere Menschen. Opladen/Wiesbaden: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7755-soziale-gerontologie-und-sozialpolitik-fuer-aeltere-menschen_10292, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 10292
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Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
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