/ 22.06.2013
Gerd Pickel / Kornelia Sammet (Hrsg.)
Transformations of Religiosity. Religion and Religiosity in Eastern Europe 1989-2010
Wiesbaden: Springer VS 2012 (Veröffentlichungen der Sektion Religionssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie); 216 S.; 34,95 €; ISBN 978-3-531-17540-9Welche Bedeutung kommt der Religion in Osteuropa heute zu? Durchlaufen diese Staaten einen ähnlichen Transformationsprozess wie ihre westeuropäischen Nachbarn, an deren Ende ein Bedeutungsverlust der Religion zu konstatieren ist? Modernisierungstheoretische Argumente wie Rationalisierung und Demokratisierung sprechen für einen Rückgang der Religion und Formen religiösen Glaubens in modernen Gesellschaften (Säkularisierung). Die Individualisierungstheorie der Religion postuliert hingegen lediglich einen Bedeutungsverlust religiöser Institutionen, aber eine fortwährende Bedeutung individueller, religiöser Orientierungen. Einem dritten Theoriestrang, der besagt, dass religiöse Praktiken zunehmen, wenn Wettbewerb zwischen verschiedenen religiösen Angeboten auf einem freien Markt stattfinden, stehen die Autoren skeptisch gegenüber. Sie sehen die erklärende Kraft des sogenannten Marktmodells der Religion für Osteuropa als nicht gegeben an. Die Autorinnen und Autoren kommen dabei, vornehmlich durch quantitativ-vergleichende Arbeiten, aber auch Fallstudien, zu differenzierten Befunden: So ist nach einer Revitalisierung der Religion nach 1990 für Länder mit protestantischen und/oder katholisch dominierten Gesellschaften ein Trend zur Säkularisierung zu erkennen, während dies nicht für orthodox-religiöse Gesellschaften gilt. Erkennbar ist auch, dass Frauen im Allgemeinen religiöser eingestellt sind als Männer und der Einfluss von Religion auf die Politik in den meisten Ländern zugenommen hat. Nach wie vor scheinen religiöse Konfliktlinien zudem das Wahlverhalten bis zu einem gewissen, je nach Land sehr unterschiedlichen Grad zu beeinflussen. Die heterogenen Ergebnisse sprechen insgesamt gegen den Befund einer Säkularisierung nach westlichem Vorbild, eher für länderspezifische Entwicklungspfade. Der Sammelband geht auf die Tagung der Sektion Religionssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie im Herbst 2009 in Leipzig zurück.
Martin Schultze (MSC)
M. A., Politikwissenschaftler (Sozialwissenschaftler), wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
Rubrizierung: 2.61 | 2.23 | 2.27
Empfohlene Zitierweise: Martin Schultze, Rezension zu: Gerd Pickel / Kornelia Sammet (Hrsg.): Transformations of Religiosity. Wiesbaden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32774-transformations-of-religiosity_39145, veröffentlicht am 24.05.2012.
Buch-Nr.: 39145
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M. A., Politikwissenschaftler (Sozialwissenschaftler), wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
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