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/ 22.06.2013
Axel Hauser-Ditz / Markus Hertwig / Ludger Pries / Luitpold Rampeltshammer

Transnationale Mitbestimmung? Zur Praxis Europäischer Betriebsräte in der Automobilindustrie

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2010 (Arbeit – Interessen – Partizipation 8); 428 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-593-39152-6
Mit ihrer Untersuchung knüpfen die Autoren an das oftmals konstatierte „konzeptionell[e] Defizit“ (10) der Forschung zu Europäischen Betriebsräten (EBRs) an. Dieses besteht zum einen in der mangelnden Verbindung zwischen EU-/Europäisierungsforschung einerseits und den sozialpolitischen Akteuren und Interessengruppen andererseits; darüber hinaus mangelt es der großen Anzahl an empirischen Studien zu EBRs immer noch an einer überzeugenden theoretischen Fundierung: Konzepte der klassischen Forschung zu industriellen Beziehungen sind kaum oder nur begrenzt auf das europäische Mehrebenensystem zu übertragen. Am Beispiel einer Untersuchung von Verhandlungen zur Standort- und Beschäftigungssicherung in acht grenzüberschreitend tätigen Unternehmen entwickeln die Autoren einen theoretischen Rahmen sowie eine empirisch geleitete Typisierung für die Analyse von Europäischen Betriebsräten. Im Ergebnis werden die untersuchten EBRs in Idealtypen eingeteilt, die auf den jeweiligen Ausprägungen von Koordinationsstrukturen und Ressourcenverteilung beruhen. Als Erklärungsmuster für die unterschiedlichen Organisationsstrukturen diskutieren die Autoren sowohl institutionelle als auch akteurs- und ereignisbezogene Variablen. So lässt sich zeigen, dass zum einen die Organisationsstruktur eines Unternehmens (vermittelt über den Regulierungsbedarf) einen mindestens ebenso großen Stellenwert besitzt wie die nationalen Arbeits- und Konflikttraditionen des Mutterlandes. Des Weiteren wird untersucht, unter welchen Bedingungen der Einfluss von Akteuren und unvorhergesehenen (Konflikt-)Ereignissen die Organisationsstruktur nachhaltig prägen können. Die analytische Unterscheidung zwischen Aktivitätsgrad und Regulierungswirksamkeit zeigt zudem deutlich, dass ein niedriger Aktivitätsgrad nicht zwangsläufig Ausdruck eines schwachen EBR sein muss (wie bislang in der Literatur größtenteils impliziert) – so wie insgesamt auch deutlich wird, dass sich EBRs innerhalb kurzer Zeit bereits zu erstaunlich eigenständigen und konsolidierten Organisationen entwickelt haben. Gerade dies unterstreicht die Notwendigkeit, EBRs in ihrer Rolle als Non-Profit-Organisationen ein stärkeres Gewicht auch in der EU-Forschung zukommen zu lassen.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.222.612.331 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Axel Hauser-Ditz / Markus Hertwig / Ludger Pries / Luitpold Rampeltshammer: Transnationale Mitbestimmung? Frankfurt a. M./New York: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32505-transnationale-mitbestimmung_38793, veröffentlicht am 09.02.2012. Buch-Nr.: 38793 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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