/ 17.06.2013
Michael Kraack / Heinrich Pehle / Petra Zimmermann-Steinhart
Umweltintegration in der Europäischen Union. Das umweltpolitische Profil der EU im Politikfeldvergleich
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2001 (Integration Europas und Ordnung der Weltwirtschaft 23); 258 S.; geb., 35,- €; ISBN 3-7890-7623-6Der Studie liegen zwei Fragen zugrunde: zum einen die nach dem Vergemeinschaftungsgrad der Umweltpolitik, zum anderen die nach der Integration von Umweltschutz in die übrigen Gemeinschaftspolitiken. Die Untersuchung, die im Rahmen eines Forschungsprojektes am Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum der Universität Erlangen (SFZ) durchgeführt wurde, beschränkt sich daher nicht auf die Darstellung der vertraglichen Grundlagen der europäischen Umweltpolitik, sondern vergleicht sechs Politikfelder, die als "Zielsektoren" der Umweltintegration identifiziert werden. Dieser breit angelegte Vergleich erlaubt neue Einsichten in Bedingungen und Hindernisse der Umweltintegration: Die Autoren gelangen zu dem Schluss, "dass sich die Integration von Umweltpolitik umso problematischer darstellt, je höher der Vergemeinschaftungsgrad der Zielsektoren ist" (229). Den Grund hierfür sieht das Autorentrio vor allem in der Existenz verfestigter Advocacy-Coalitions im entscheidenden Europäischen Rat, die Widerstand gegen die Integration umweltpolitischer Ziele leisten, sowie in der starken prozeduralen Zersplitterung in isoliert voneinander arbeitenden Fachministerräten. Die Aufwertung der Umweltintegrationsklausel durch den Vertrag von Amsterdam bringt unter diesen Umständen kaum Fortschritte mit sich, sondern stellt im Gegenteil, so Kraack/Pehle/Zimmermann-Steinhart, eine "systematische, und wie zu vermuten ist, gewollte Überforderung" (231) dar, die die einzelnen Fachressorts zu Verzögerungstaktiken einlädt. Diese intentionale Erklärung verknüpfen die Autoren mit einer Bekräftigung intergouvernementalistischer Integrationstheorien, die die Persistenz und Dominanz nationaler Interessen betonen.
Inhaltsübersicht: 2. Umweltintegration in der EU - theoretische Grundlagen und Untersuchungsdesign: 2.1 Was treibt Europa? Konkurrierende Theorien der europäischen Integration; 2.2 Der "Advocacy-Coalition-Ansatz" als Untersuchungsmodell. 3. Die europäische Umweltpolitik: 3.1 Relativ stabile Parameter der Umweltpolitik; 3.2 Externe (System-)Ereignisse; 3.3 Restriktionen und Ressourcen der Akteure der Umweltpolitik; 3.4 Fallstudie: Die Öko-Audit-Verordnung - Ein europäischer Standard in der globalen Konkurrenz; 3.5 Fallstudie: IVU - "Was du nicht willst, was man dir tue...". 4. Die Zielsektoren für die Umweltintegration: 4.1 Landwirtschaftspolitik - die "Schildkröte" der EU: gut geschützt, langlebig und richtungstreu; 4.2 Energiepolitik zwischen Liberalisierung und Nachhaltigkeit; 4.3 Industriepolitik: "Sein oder nicht Sein"?; 4.4 Verkehr versus Umwelt oder nachhaltige Mobilität?; 4.5 Policy ohne polity? - Nachhaltige europäische Tourismuspolitik als programmatisches "Gespenst"; 4.6 Regionalpolitik: "Viel Lärm um nichts"? 5. Ergebnis: Die Paradoxien des Umweltintegrationsprinzips.
Karen Jaehrling (KJ)
Dr., Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 3.5
Empfohlene Zitierweise: Karen Jaehrling, Rezension zu: Michael Kraack / Heinrich Pehle / Petra Zimmermann-Steinhart: Umweltintegration in der Europäischen Union. Baden-Baden: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16356-umweltintegration-in-der-europaeischen-union_18782, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 18782
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Dr., Politikwissenschaftlerin.
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