/ 22.06.2013
Julia Verse
Undoing Irishness. Antirassistische Perspektiven in der Republik Irland
Bielefeld: transcript Verlag 2012 (Postcolonial Studies 11); 408 S.; kart., 33,80 €; ISBN 978-3-8376-1682-8Diss. HU Berlin; Begutachtung: W. Kaschuba, N. Räthzel. – Von westeuropäischen Forschern weitgehend unbeachtet hat sich in Irland seit Ende der 1980er-Jahre ein beachtenswerter Transformationsprozess vollzogen. Bestimmt wurde er zum einen durch einen Wirtschaftsboom, zum anderen durch einen sich umkehrenden Migrationstrend. Vor dem historischen Hintergrund, dass Irland nach Ansicht von Verse eine „ambivalente Rolle als aktiver Juniorpartner des britischen Imperialismus einerseits sowie als dessen Kolonie andererseits“ (12) zukam, müssen die durch den Wandel verbundenen sozialen, kulturellen und politischen Neuerungen erst noch erforscht werden. Die Autorin macht es sich daher zur Aufgabe, den Antirassismus auf der Insel unter besonderer Berücksichtigung der irischen Geschichte zu analysieren. Sie nimmt an, dass sich jeder Rassismus und jeder Antirassismus entsprechend seines kulturellen und politischen Kontextes ausprägt. Konkret fragt sie danach, „auf Basis welcher historisch-kulturellen Codierung Rassismus und Antirassismus in der irischen Gesellschaft wirksam werden und welche historischen und aktuellen Wissensbestände und Haltungen dabei auf- und abgerufen werden“ (10). Die Arbeit stützt sich auf unterschiedliche Quellen: Verse analysiert Medienberichte, wissenschaftliche Literatur zur und graue Literatur aus der antirassistischen Szene Irlands, führt Feldforschungstagebuch während ihrer sechsmonatigen Beobachtung antirassistischer Gruppen und interviewt außerdem Akteure. In ihrem theoretischen Teil arbeitet Verse deutlich heraus, dass es verschiedene und in sich widerspruchsvolle Konstruktionen von Irishness gibt. Das heute dominante Verständnis von Irischsein im Sinne einer konstruierten „Rasse“ (Verse verwendet hier das von Miles, Balibar, Taguieff u. a. entwickelte Rasse-Konzept) wird maßgeblich durch Sprache, Ethnie und Konfession bestimmt und befördert eine reaktionäre Staatsideologie. Sie hemmt die emanzipatorische und antirassistische Denkweise von Akteuren, die vor allem auch in der politischen Arena Großbritanniens politisiert wurden. Im empirischen Teil belegt die Autorin ihre theoretischen Untersuchungen und möchte die Vielschichtigkeit des Antirassismus durch die Darstellung von ausgewählten Interviewpartnern und deren Einstellungen herausarbeiten. Leider gibt sie hierfür über weite Strecken die konkrete Interviewsituation und die persönliche und politische Geschichte der vier exemplarisch ausgewählten Befragen wieder, fügt sehr lange Zitate aneinander und analysiert die gewonnenen Informationen nur bruchstückhaft unter politikwissenschaftlich und für die Fragestellung relevanten Aspekten. Das insgesamt engagierte Ziel dieser Arbeit wird dadurch leider nicht ganz erreicht.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.61 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Julia Verse: Undoing Irishness. Bielefeld: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34977-undoing-irishness_42071, veröffentlicht am 24.05.2012.
Buch-Nr.: 42071
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M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
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