/ 17.06.2013
Thomas Großbölting / Dirk Hofmann (Hrsg.)
Vergangenheit in der Gegenwart. Vom Umgang mit Diktaturerfahrungen in Ost- und Westeuropa
Göttingen: Wallstein Verlag 2008 (Genshagener Gespräche XII); 175 S.; brosch., 14,- €; ISBN 978-3-8353-0315-7„Gibt es bereits so etwas wie eine europäische Sicht auf die durchlebten Diktaturerfahrungen oder haben wir es eher mit nebeneinander bestehenden nationalen Diskursen zu tun?“ (10) Rund zwanzig Jahre nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Regime in Europa kamen Wissenschaftler, Publizisten und Künstler aus unterschiedlichen Ländern im Oktober 2007 auf Schloss Genshagen zu einer gemeinsam von der Stiftung Genshagen und der Birthler-Behörde ausgerichteten Tagung zusammen, um über die eingangs gestellte und ähnliche Fragen der Vergangenheitsbewältigung zu diskutieren. Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch Überlegungen zur Definition von Diktatur und einen Überblick über die Erscheinungsformen und Entwicklungen der unterschiedlichen Diktaturtypen in Ost- und Westeuropa. Hervorgehoben wurde das Gewaltpotenzial von Stalinismus und Nationalsozialismus. Die unterschiedlichen Diktaturgeschichten gelte es aufzuarbeiten und dabei einerseits der Opfer zu gedenken, andererseits auf eine für die Demokratie innergesellschaftliche Versöhnung abzuzielen. Einen Themenbereich bildete die Bewältigung der Vergangenheit in der Tschechischen Republik, in Rumänien, Ungarn, Polen und Spanien. Auch der Umgang mit der DDR-Vergangenheit im wiedervereinigten Deutschland – zwischen „‚Sonnenallee’, ‚Schurkenstaat’ und Desinteresse“ (109) – war Gegenstand der Analyse des Herausgebers Großbölting, der dafür plädiert, zu einer „differenzierteren Vermittlung der DDR-Geschichte an die jüngere Generation“ (14) als bisher zu gelangen. Da Europa derzeit von einer gemeinsamen Geschichtskultur noch weit entfernt sei, komme der europäischen Integration eine wichtige Rolle zu. Diese stelle einen möglichen Weg zu einer gemeinsamen Geschichte dar. Allerdings müsse in Osteuropa noch eine intensive Aufarbeitung geleistet werden, denn die Vergangenheit lebe dort auch zwanzig Jahre nach dem Systemwechsel fort, was sich etwa in einer „nostalgischen Neubewertung der kommunistischen Vergangenheit auf der einen und einem dezidierten ‚postumen Antikommunismus’ auf der anderen Seite niederschlage“ (15 f.).
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.23 | 2.35 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Thomas Großbölting / Dirk Hofmann (Hrsg.): Vergangenheit in der Gegenwart. Göttingen: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14811-vergangenheit-in-der-gegenwart_35534, veröffentlicht am 31.03.2009.
Buch-Nr.: 35534
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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