/ 19.06.2013
Christoph Gusy (Hrsg.)
Weimars lange Schatten - "Weimar" als Argument nach 1945
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2003 (Interdisziplinäre Studien zu Recht und Staat 29); 540 S.; brosch., 88,- €; ISBN 3-8329-0431-XDie Rezeptionsgeschichte „Weimars" in Politik, Wissenschaft und Rechtsprechung der (alten) Bundesrepublik steht im Mittelpunkt dieses Bandes. Er dokumentiert die Vorträge, die Anfang 2003 im Zentrum für interdisziplinäre Forschung an der Universität Bielefeld gehalten wurden. Die Rezeptionsgeschichte Weimars schwankte zwischen der Kontinuitäts- und der Diskontinuitätsthese, war das Nachdenken über Weimar doch immer auch ein Nachdenken über die Bundesrepublik. Der Herausgeber erinnert noch einmal an die These Alemanns („Bonn ist nicht Weimar"), der 1956 besonders auf drei wichtige Unterschiede zwischen Weimar und der Bundesrepublik aufmerksam machte, nämlich auf den fehlenden negativen Gründungsmythos der BRD, die ökonomische und soziale Erfolgsstory und die Tatsache der politischen Alternativlosigkeit der Bundesrepublik als demokratischer Staat. Am Schnittpunkt von Politik, Wissenschaft und Recht soll der Band inhaltliche und methodische Vorbedingungen, Fragestellungen und Erwartungen „einbeziehen" (15). „Auf diese Weise sollen Textgebundenheit und Wandel der Weimardiskussion und -forschung auf ihre Voraussetzungen und Folgen befragt werden." (15)
Aus dem Inhalt:
Christoph Gusy:
Einleitung - Weimar: Geschichte als Argument (9-20)
A. Vorgeschichte
Wolfram Pyta:
„Weimar" in der bundesdeutschen Geschichtswissenschaft (21-62)
Elke Seefried:
Verfassungsrevision statt Verfassungsschöpfung - Exilverfassungsrechtler und -politiker (63-91)
Ulrich Baumgärtner:
Von einer Republik zur anderen: Theodor Heuss' Wahrnehmung und Deutung der Weimarer Republik nach 1945 (92-117)
B. „Weimar" als wissenschaftliches Argument
Dieter Haselbach:
Lehren aus Weimar in den Wirtschaftswissenschaften nach 1945: Der Ordoliberalismus (118-147)
Roland Lhotta:
Die abgebrochene Tradition: Die Wiederentdeckung Weimars durch die Politikwissenschaft nach 1945 (148-175)
Reinhard Mehring:
Weimarer Philosophie als Einwand? Von der Existentialismuskritik zur Autorität der Tradition in der bundesdeutschen Nachkriegsphilosophie (176-198)
C. „Weimar" als politisches Argument
Wolfgang Benz:
Die Rolle Weimars in der Verfassungsdiskussion und im Parlamentarischen Rat (199-214)
Stefan Grüner:
Weimar als Argument in der Gründungsphase der Westdeutschen Nachkriegsparteien, 1945-1949 (215-237)
Martin Morlok:
Entdeckung und Theorie des Parteienstaates (238-255)
Ralf Poscher:
Das Weimarer Wahlrechtsgespenst (256-280)
Jens Kersten:
Parlamentarische oder stabile Regierung (281-310)
Jörg Requate:
„Weimar" als Argument in der Debatte um die Notstandsgesetze (311-334)
Andreas Wirsching:
Konstruktion und Erosion: Weimarer Argumente gegen Volksbegehren und Volksentscheid (335-353)
D. „Weimar" als juristisches Argument
Oliver Lepsius:
Die Wiederentdeckung Weimars durch die bundesdeutsche Staatsrechtslehre (354-394)
Christoph Gusy:
„Vergangenheitsrechtsprechung": Die Nachwirkungen Weimars in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (395-424)
Kathrin Groh:
Zwischen Skylla und Charybdis: Die streitbare Demokratie (425-454)
E. Folgerungen:
Armel Le Divellec:
Weimarer Parallelen in der Verfassung der V. Französischen Republik (455-496)
Hans Boldt:
Das Erbe Weimars: Die Relativität der Dinge (497-525)
Heiko Bollmeyer:
Diskussionsbericht (526-539)
Heinz-Werner Höffken (HÖ)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 2.3 | 2.313 | 2.32 | 2.35 | 2.61 | 2.21
Empfohlene Zitierweise: Heinz-Werner Höffken, Rezension zu: Christoph Gusy (Hrsg.): Weimars lange Schatten - "Weimar" als Argument nach 1945 Baden-Baden: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20643-weimars-lange-schatten---weimar-als-argument-nach-1945_24083, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 24083
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
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