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/ 22.06.2013
Ulrich Thielemann

Wettbewerb als Gerechtigkeitskonzept. Kritik des Neoliberalismus

Marburg: Metropolis-Verlag 2010; 491 S.; 38,- €; ISBN 978-3-89518-833-6
Habilitationsschrift St. Gallen. – Sowohl in der ökonomischen Theorie wie in der politischen Ideengeschichte liberaler Provenienz stellt der Begriff des Wettbewerbs eine zentrale Kategorie dar. Dieser herausgehobene Status gilt dabei teils in explanatorischer Hinsicht, so bei der Erklärung von Fehlfunktionen in Marktprozessen, und teils unter normativen Aspekten, wenn Einschränkungen des Wettbewerbs als gesellschaftsschädlich behauptet werden. Auch in der politischen Theorie wird vielfach von einem internen Zusammenhang zwischen Freiheit und Wettbewerb ausgegangen, weil der – unverzerrte – Wettbewerb die Anpassungsfähigkeit von Systemen steigere und Monopolbildungen verhindere. Auf Basis dieser dem Wettbewerb zugeschriebenen Eigenschaften werden dann – explizit in neoliberaler Perspektive – (wirtschafts-)ethische Konsequenzen gezogen, die dieses Interaktionsmuster zum übergreifenden Vorbild nicht nur in Marktbezügen erklären. Mit beiden Ansprüchen, der ökonomischen Erklärungslogik und dem impliziten Normativismus der Wettbewerbsverfechter, setzt sich der Autor ebenso gründlich wie kritisch auseinander. In einem ersten Schritt entwickelt er die begriffliche Basis einer Tausch und Wettbewerb differenzierenden Markttheorie. Gegen das Standardpostulat der Wertfreiheit von Sozialwissenschaften setzt er in methodologischer Hinsicht das normative Konzept einer integrativen Wirtschaftsethik und unternimmt dann eine dezidierte Kritik der affirmativen Voraussetzungen gängiger Wettbewerbstheorien. Im abschließenden, umfangreichsten Kapitel befasst er sich mit unterschiedlichen, auch in der politischen Theorie vertretenen Spielarten ökonomistischer Markt- bzw. Wettbewerbsethiken. Im Kern geht es dem Autor um die Formulierung einer Ethik des Wettbewerbs, die wesentlich auf Begrenzung zielt. Diese Begrenzung sollte zum einen sektoral als Entökonomisierung gesellschaftlicher Bereiche ansetzen, die – wie die Bildung – mehr und mehr unter Marktdruck geraten sind. Zum anderen argumentiert er ebenso für innerökonomische Wettbewerbsbegrenzungen durch Strategien der Entschleunigung und systematischen Berücksichtigung von Fairnessprinzipien.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.45 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Ulrich Thielemann: Wettbewerb als Gerechtigkeitskonzept. Marburg: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33351-wettbewerb-als-gerechtigkeitskonzept_39893, veröffentlicht am 10.05.2011. Buch-Nr.: 39893 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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