/ 20.06.2013
Gunnar Krüger
"Wir sind doch kein exklusiver Club!" Die Bundespressekonferenz in der Ära Adenauer. Mit einem Geleitwort von Reinhard Appel
Münster: Lit 2005; 237 S.; brosch., 19,90 €; ISBN 3-8258-8342-6Geschichtswiss. Abschlussarbeit HU Berlin. – Die 1949 aus praktischen Gründen als Zusammenschluss von Journalisten in Bonn gegründete Bundespressekonferenz führt bis heute mehrmals wöchentlich Regierungspressekonferenzen durch, um den Informationsfluss zwischen Regierung, Medien und Öffentlichkeit zu verbessern. Krüger untersucht die Bedeutung der Organisation für die Modernisierungsprozesse in der neu gegründeten Bundesrepublik bis zum Jahr 1963. Dazu hat er Zeitzeugen befragt und erstmals die Akten des Vereins archivarisch aufbereitet und inhaltlich ausgewertet. Schwerpunktmäßig hat der Autor die darin protokollierten Konflikte und Auseinandersetzungen analysiert, wie beispielsweise die Diskussionen über die Mitgliederzulassung oder verschiedene Affären um den so genannten Geheimnisverrat. Demnach positionierte sich die Bundespressekonferenz immer wieder als Verfechterin der journalistischen Unabhängigkeit und als Vertreterin eines uneingeschränkten Informationszuganges für Journalisten jeder parteipolitischen Ausrichtung. Dies stand zeitweise im Gegensatz zu den Vorlieben und Gepflogenheiten der damaligen Politiker, die Informationen gerne im Rahmen von informellen Gesprächen und aufgrund von persönlichen Beziehungen weitergaben. Das Verhalten der Bundespressekonferenz wurde u. a. durch die damals noch sehr lebendigen Erinnerungen an die Kontrolle der Medien durch den NS-Staat beeinflusst, deren Wiederholung man unbedingt zu vermeiden trachtete. Damit, so der Verfasser, leistete die Organisation einen wesentlichen Beitrag zur Demokratisierung und Modernisierung der noch jungen Bundesrepublik. Diese modernisierende Wirkung entfaltete die Bundespressekonferenz jedoch nicht immer. Bei der Frage des Umgangs mit dem Nationalsozialismus konnte sie sich beispielsweise nicht als Vorkämpferin eines modernen, offenen Umgangs mit den Lasten der Vergangenheit etablieren, sondern stellte sich dem Thema erst sehr spät und nach massivem Druck von außen.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.333 | 2.313
Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Gunnar Krüger: "Wir sind doch kein exklusiver Club!" Münster: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24319-wir-sind-doch-kein-exklusiver-club_28030, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 28030
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Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
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