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/ 17.06.2013
Willy-Brandt-Kreis (Hrsg.)

Zur Lage der Nation. Leitgedanken für eine Politik der Berliner Republik

Berlin: Rowohlt 2001; 272 S.; 9,90 €; ISBN 3-87134-437-0
Die eher lose miteinander verbundenen Beiträge prominenter Autoren gehen auf Diskussionen zurück, die der Willy-Brandt-Kreis seit Mitte der Neunzigerjahre organisiert. Lutz benennt in seinem Vorwort als einigendes Leitthema der Reden und Texte die Stoßrichtung: "Sie kritisieren eine Gesellschaft, die Gefahr läuft, technologische Entwicklung, Kapital und Globalisierung über den Menschen zu stellen." (9) Der Text von Grass ist eine Collage aus den Reden "Ich erinnere mich" (2000), "Rede vom Verlust" (1992), "Rede vom Standort" (1997) und "Rot-grüne Rede" (1998). Die Weggefährten Brandts und die "jüngeren" Mitglieder des Brandt-Kreises versuchen jeweils auf ihre Art und Weise Orientierung aus einer an Brandt'scher Politik angelehnten Perspektive zu gewinnen. Bahr, der als Redenschreiber für einen gewichtigen Teil des rednerischen Wirkens des Bundeskanzlers verantwortlich war, tut dies bezeichnenderweise in Form einer fiktiven Regierungserklärung und stellt für ein solches Vorhaben eines jeden Bundeskanzlers fest: "Das Amt verlangt, dass er dem Lande Orientierung gibt, auch auf Feldern, in denen er sie selbst noch sucht." (263) Inhalt: I. Deutsche Einheit: Daniele Dahn: Vereintes Land - geteilte Freude. Für eine ehrliche Geschichtsschreibung auf beiden Seiten (12-31); Hans Misselwitz: Die unvollendete Berliner Republik: Warum der Osten zur Sprache kommen muss (32-50); Peter Bender: Die Gleichheit aller Deutschen vor der Geschichte (51-66); Christine Hohmann-Dennhardt: Wir wollten Gerechtigkeit ... (67-78); Friedrich Dieckmann: Top down oder bottom up? Zum Prozess der deutschen Vereinigung (79-101); Edelbert Richter: Aufschwung unter neoliberalem Vorzeichen. Zur wirtschaftlichen Lage des Ostens der Nation (102-121); Manfred Uschner: Zur Lage der Nation und der Sozialdemokratie in Ostdeutschland (122-135); Günter Grass: Mein Deutschland (136-160). II. Deutsche Außen- und Friedenspolitik: Egon Bahr: Zwischen Protektorat und Selbstbestimmung. Europa im Spannungsfeld von Amerika und Russland (162-180); Peter Brandt / Günter Minnerup: Jenseits von Maastricht (181-193). III. Im Wandel der Zeit: Klaus Staeck: Die VIP-Gesellschaft (195-200); Friedrich Schorlemmer: Die Forderungen der Bürger an die Demokratie - die Forderungen der Demokratie an die Bürger (201-213); Jens Reich: Ethische Grenzziehungen in der forschenden Biomedizin (214-223); Oskar Negt: Die Gewinne von heute ... sind die Arbeitslosen von morgen. Neue Paradoxien in der New Economy (224-237); Claus Noé: Der Verfassungsstaat - Opfer der Globalisierung. Wenn Bürokratie herrscht und Politik vermarktet wird (238-252); Dieter S. Lutz: Gibt es eine Demokratie jenseits der Demokratie, wie wir sie kennen? Plädoyer für die Schaffung eines "Zukunftsrates" (253-262); Egon Bahr: Zur Lage der Nation. Wie eine Regierungserklärung zur Orientierung aussehen könnte (263-269).
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 2.315 Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Willy-Brandt-Kreis (Hrsg.): Zur Lage der Nation. Berlin: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15431-zur-lage-der-nation_17572, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 17572 Rezension drucken
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