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/ 12.06.2013
Conrad Taler

Zweierlei Maß. Oder: Juristen sind zu allem fähig

Köln: PapyRossa Verlag 2002; 189 S.; 13,50 €; ISBN 3-89438-244-9
Manche ehemalige NS-Opfer hatten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Justizsystem der DDR z. B. als Richter Karriere gemacht. Nach der Wende wurden diese Personen teilweise u. a. wegen Rechtsbeugung strafrechtlich verurteilt. Nach Auffassung des Autors handelt es sich dabei um eine Ungerechtigkeit, da umgekehrt die NS-Richter nicht belangt worden seien. Der Autor will diesen Sachverhalt anhand zahlreicher Einzelfälle belegen; das Buch schrieb er "aus Empörung darüber, dass dieselbe Justiz, die Hitlers Richter ungeschoren davonkommen ließ, die Richter der DDR verurteilt und damit die Opfer des Naziterrors zum zweiten Mal verhöhnt" (9). Allerdings bleibt unklar, was das eine mit dem anderen zu tun hat, warum früher erlittenes Leid eine Legitimation für spätere Straftaten sein soll und mit welcher Begründung eine vom Autor konstatierte weitgehende Straffreiheit für NS-Richter zum Maßstab des Umganges mit DDR-Unrecht werden soll.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.3232.3132.3152.35 Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Conrad Taler: Zweierlei Maß. Köln: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14166-zweierlei-mass_19226, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19226 Rezension drucken
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