Skip to main content
/ 21.06.2013
Fritz Backhaus / Raphael Gross / Michael Lenarz (Hrsg.)

Ignatz Bubis. Ein jüdisches Leben in Deutschland

Frankfurt a. M.: Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag 2007; 200 S.; brosch., 25,- €; ISBN 978-3-633-54224-6
Dieser Band erscheint anlässlich der gleichnamigen Ausstellung, die 2007 in Frankfurt/M. gezeigt wurde. Entstanden ist damit keine konventionelle Biografie von Bubis. „Seine Person schien uns vielmehr in ganz besonderer Weise geeignet, einen Zugang in die komplizierte deutsch-jüdische Nachkriegsgeschichte zu finden“ (9), schreiben die Herausgeber. „Interessiert hat uns Ignatz Bubis insbesondere, weil er die mit großem Abstand meistgeehrte und -gerühmte jüdische Persönlichkeit in Deutschland nach dem Holocaust ist und genauso die am heftigsten geschmähte“ (10). Wichtige Stationen seines öffentlichen Lebens sind zugleich Fixpunkte der politischen Kultur der Bundesrepublik und zudem eng mit der Kommunalpolitik Frankfurts verknüpft. Dazu gehören die Besetzung und Räumung von Häusern im Frankfurter Westend, die Bubis gehörten, oder die Auseinandersetzung um das Fassbinder-Stück „Der Müll, die Stadt und der Tod“, dessen Premiere Bubis mit einigen Mitstreitern verhinderte. Beschrieben wird auch, wie Bubis die Repräsentation der Juden als Vorsitzender ihres Zentralrats von „den Hintertüren der Diplomatie auf die Bühne der Öffentlichkeit“ (Brenner [124]) holte. Aber obwohl sich Bubis als „ein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ verstand und – ohne den Holocaust in den Hintergrund zu drängen und Israel zu vernachlässigen – sich „mitten in Deutschland“ (131) positionierte, blieben ihm am Ende seines Lebens Zweifel, er fürchtete nichts oder fast nichts bewirken zu können. Dieser Band erzählt aber eine andere Geschichte, sichtbar etwa an der Walser-Bubis-Debatte 1998 – Bubis sei es gelungen, schreibt Hahn, den Schriftsteller nach dessen umstrittener Rede in der Frankfurter Paulskirche über den Umgang mit der Erinnerung an den Nationalsozialismus und den Holocaust öffentlich in die Schranken zu weisen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.32.352.331 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Fritz Backhaus / Raphael Gross / Michael Lenarz (Hrsg.): Ignatz Bubis. Frankfurt a. M.: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27802-ignatz-bubis_32650, veröffentlicht am 27.03.2008. Buch-Nr.: 32650 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA