/ 21.06.2013
Wolf-Dietrich Bukow / Claudia Nikodem / Erika Schulze / Erol Yildiz (Hrsg.)
Was heißt hier Parallelgesellschaft? Zum Umgang mit Differenzen
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2007 (Interkulturelle Studien 19); 303 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 978-3-531-15485-5Die Debatte über Voraussetzungen und Formen von Integration verläuft – nicht nur in Deutschland – politisch äußerst kontrovers. Die hierzulande verbreitete Befürchtung, im Zuge von Zuwanderungen würde die Gefahr der Entstehung von Parallelgesellschaften zunehmen, belegt wie belastet der Integrationsdiskurs ist. Denn mit dem Ausdruck Parallelgesellschaft wird – übrigens nicht allein in der politischen Auseinandersetzung – das Bild von ethnisch homogenen Milieus entworfen, die, zumeist sozialräumlich konzentriert, die infrastrukturellen Leistungen der Aufnahmegesellschaft nutzen, sich aber in ihren Lebensformen und Verhalten an den Werten ihrer jeweiligen Herkunftsgesellschaft orientieren. Mit diesem Bild setzen sich die Autoren des Bandes kritisch auseinander. Auf der einen Seite zeuge der Ausdruck Parallelgesellschaft von einem überholten, weil an antiquierten Vorstellungen nationalstaatlicher Geschlossenheit haftenden Denken. Gemessen an der von hochgradiger Differenzierung, Mobilität und kultureller Vielfalt geprägten urbanen Lebensweise ist der Begriff ein Konstrukt. Auf der anderen Seite jedoch artikulieren sich in dieser Rede – so die Herausgeber – die Abgrenzungsbemühungen eines alteingesessenen Bürgertums, das gleichermaßen seine Identität wie eigene Erwerbs- und Sozialstaatsansprüche gegenüber Fremden verteidigen will. Die Autoren diskutieren an vier thematischen Schwerpunkten die Art und Weise, wie in Deutschland mit – faktischen oder wahrgenommenen – Differenzen umgegangen wird. Zunächst geht es um eher grundsätzliche Fragen des Integrationsdiskurses, anschließend werden Formen und Probleme multiethnischen Zusammenlebens in städtischen Kontexten erörtert. Chancen und Barrieren, auf die Personen mit Migrationshintergrund im Zugang zum Bildungssystem und in der beruflichen Positionierung stoßen, sind Gegenstand des dritten Teils und der vierte Teil setzt sich mit den Zuschreibungen auseinander, die den Bevölkerungsgruppen islamischen Glaubens eine spezifisch patriarchalisch-maskulin geprägte Kultur unterstellen.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.35 | 2.325
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Wolf-Dietrich Bukow / Claudia Nikodem / Erika Schulze / Erol Yildiz (Hrsg.): Was heißt hier Parallelgesellschaft? Wiesbaden: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28435-was-heisst-hier-parallelgesellschaft_33498, veröffentlicht am 09.04.2008.
Buch-Nr.: 33498
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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