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/ 20.06.2013
Christof Dejung

Aktivdienst und Geschlechterordnung. Eine Kultur- und Alltagsgeschichte des Militärdienstes in der Schweiz 1939-1945

Zürich: Chronos Verlag 2006; 446 S.; 44,80 €; ISBN 978-3-0340-0742-9
Diss. Zürich. – Der Autor widmet sich dem so genannten „Aktivdienst“ in der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs. Im Zentrum der Erinnerung an diese Zeit stünden die Militärerfahrungen der Männer, den Leistungen der Frauen werde hingegen nur wenig Platz eingeräumt, so Dejung. Dies nimmt er zum Anlass, sich mit den Geschlechterdiskursen in der Zeit zu befassen. Das traditionelle Bild der Aktivdienstgeneration sei vor allem durch die Propaganda der geistigen Landesverteidigung geprägt gewesen und die polarisierte Geschlechterordnung habe dabei eine zentrale Rolle gespielt. Das Bild des Wehrmannes, der mit dem Karabiner in der Hand die daheim gebliebene Familie beschützt sowie das Bild der Schweizerin als selbstlose Unterstützerin ihres Mannes seien zu normativen Leitbildern geworden. Doch hinter diesen Propagandabildern habe sich ein widersprüchlicher Alltag verborgen. Im Offizierskorps sei während des Krieges ein Machtkampf entbrannt, bei dem es unter anderem um konkurrierende Vorstellungen der militärischen Ausbildung ging und in dem sich unterschiedliche Ansichten zur gesellschaftlichen Positionierung der Armee mit unterschiedlichen Männlichkeitskonzepten vermischten, berichtet Dejung. Der Rückzug der Armee ins Alpenreduit schließlich, nach dem Krieg das Sinnbild des schweizerischen Widerstandswillens, habe während des Krieges die bis dahin bestehende identitätsstiftende Balance zwischen der schützenden Armee und der zu beschützenden Zivilbevölkerung auf den Kopf gestellt. Der Autor verdeutlicht, mit welchen diskursiven Mitteln die Armeeführung die Reduitstrategie sinnhaft machte und dass der wahre Inhalt der Reduitstrategie bis gegen Ende des Krieges vor der Zivilbevölkerung geheim gehalten wurde. Die Propagandabilder der Kriegszeit, insbesondere die polarisierten Geschlechtervorstellungen seien deshalb noch jahrzehntelang wirkungsmächtig geblieben und auch ein Grund, warum den Schweizer Frauen erst spät die politischen Rechte zugesprochen worden seien. Das traditionelle Geschichtsbild der Nachkriegszeit habe die bestehenden sozialen Machtverhältnisse stabilisiert.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.52.21 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Christof Dejung: Aktivdienst und Geschlechterordnung. Zürich: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24782-aktivdienst-und-geschlechterordnung_28646, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 28646 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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