/ 20.06.2013
Dirk Nabers
Allianz gegen den Terror. Deutschland, Japan und die USA
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2005 (Forschung Politik); 363 S.; brosch., 39,90 €; ISBN 3-531-14803-6Habilitationsschrift Münster. – Wie wird gemeinsames Handeln von staatlichen Akteuren möglich? Diese zentrale Frage, der sich kooperationstheoretische Ansätze in den internationalen Beziehungen seit langem widmen, ist der Ausgangspunkt der Studie. Für die Antwort entwirft der Autor, der als wissenschaftlicher Referent am Institut für Asienkunde in Hamburg tätig ist, ein theoretisches Modell, das versucht, konstruktivistische und diskurstheoretische Annahmen miteinander zu verbinden. Denn da weiten Teilen der konstruktivistischen Theoretiker, so z. B. Alexander Wendt, vorgeworfen worden ist, dass sie eine Analyse der Rolle sprachlicher Diskurse versäumt hätten, kombiniert Nabers diesen Theoriestrang mit diskurstheoretischen Überlegungen von Habermas, Foucault und Laclau. Nur durch die Analyse der „Kultur des internationalen Systems“ (11), so das zentrale Argument des Autors, lasse sich die Frage nach Erfolg und Misserfolg der Zusammenarbeit von Staaten beantworten. Als Fallbeispiel dient die Konstruktion der Allianz gegen den Terror nach dem 11. September 2001, bei der Nabers die Beziehungen zwischen den USA und Deutschland auf der einen und den USA und Japan auf der anderen Seite analysiert. Diese Kooperationsform sei eben nicht von „gegebenen“ Interessen determiniert worden, sondern vielmehr durch „geteilte Ideen“: Aus den traumatischen Ereignissen des 11. Septembers und dem damit einhergehenden Vertrauensverlust in die Sicherheit, Verlässlichkeit und Gerechtigkeit der Welt resultierte schon bald eine Dynamik des offiziellen sicherheitspolitischen Diskurses, ein Druck zur Definition der Ereignisse, zur Identifizierung des Gegners und zum politischen Handeln. In diesem Sinne besäßen die Ereignisse des 11. Septembers auch „keine objektive Bedeutung“ (308), sie wurden erst, so die These des Autors, in den folgenden Wochen diskursiv konstruiert und politisch ausgerichtet.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 4.41 | 4.21 | 4.22 | 2.64 | 2.68
Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Dirk Nabers: Allianz gegen den Terror. Wiesbaden: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25155-allianz-gegen-den-terror_29121, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29121
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
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