/ 12.06.2013
Sabrina P. Ramet / Konrad Clewing / Reneo Lukić (Hrsg.)
Croatia since Independence. War, Politics, Society, Foreign Relations
München: R. Oldenbourg Verlag 2008 (Südosteuropäische Arbeiten 131); 483 S.; brosch., 39,80 €; ISBN 978-3-486-58043-3Kroatien hat seit dem Kollaps des sozialistischen Jugoslawiens 1991 einen eigenen Weg beschritten. Nach dem Krieg gegen die Serben ist das Land nun auf dem Weg, Mitglied der NATO und der Europäischen Union zu werden. Dieser Band versammelt Aufsätze zur jüngsten Geschichte des Landes aus den Bereichen Wirtschaft, Innen- und Außenpolitik sowie Kultur. Sabrina P. Ramet untersucht in ihrem Beitrag die politische Entwicklung Kroatiens seit 1990. Dazu setzt sie sich von den Sichtweisen ausländischer Beobachter ab, welche in den 90er-Jahren die Regierungen Milosevics in Serbien und Tudjmans in Kroatien gleichsetzten. Tatsächlich habe es jedoch, so führt Ramet aus, bereits damals signifikante Unterschiede gegeben, die sich bis in die Gegenwart auswirkten. Kroatien habe im Gegensatz zu Serbien keinen aggressiven Krieg gestartet, sondern eher defensiv gefochten. Zudem sei Milosevics Sozialistische Partei Serbiens die unmittelbare Nachfolgepartei der Kommunisten gewesen und man sei Oppositionellen häufiger begegnet, indem man sie einkerkerte. Tudjmans Partei sei hingegen explizit antikommunistisch gewesen, so die Autorin. Entsprechend sei es seiner Partei auch gelungen, das öffentliche Vertrauen stabil zu halten. So stehe Kroatien heute mit seinem leichteren Erbe für eine liberal-demokratische Entwicklung an der Schwelle zur EU- und NATO-Mitgliedschaft, während Serbien in den Revisionismus zurückdrifte. Davorka Matić untersucht den Zusammenhang von politischer Kultur, sozio-kulturellen Werten und demokratischer Konsolidierung in Kroatien. Der Ansatz ist die Auseinandersetzung mit der These, dass postkommunistische Staaten nur geringe Chancen haben, sich infolge ihres kulturellen Erbes in liberale Demokratien zu verwandeln. Matić stellt zwar fest, dass die kroatische Öffentlichkeit ein sehr geringes Vertrauen in die politischen Institutionen hat, aber sie betont auch: „all political actors accept democratic norms and procedures as the only legitimate mean for resolving political conflicts“ (185).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.61 | 2.2 | 2.22 | 2.23 | 4.22
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Sabrina P. Ramet / Konrad Clewing / Reneo Lukić (Hrsg.): Croatia since Independence. München: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14346-croatia-since-independence_31065, veröffentlicht am 10.06.2009.
Buch-Nr.: 31065
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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