/ 18.06.2013
Michael Schmidtke
Der Aufbruch der jungen Intelligenz. Die 68er Jahre in der Bundesrepublik und den USA
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2003 (Campus Historische Studien 34); 314 S.; kart., 34,90 €; ISBN 3-593-37253-3Nicht nur in der tagespolitischen Diskussion wird die Bedeutung der studentischen Protestbewegungen der 60er-Jahre vielfach mit Blick auf die ehemaligen Akteure und deren Biografien geführt. Von dieser Perspektive, die auf die kontroverse Frage nach der historischen Leistung der „68er" fixiert ist, rückt der Autor mit seinem Vorhaben einer an Weber und Lepsius orientierten historischen Wirkungsanalyse von Ideen ab. Im Mittelpunkt seiner Studie stehen Prozesse der Diffusion von Ideen, die hier am Beispiel der studentischen Neuen Linken in den USA und in der Bundesrepublik vergleichend untersucht werden. Unter Rückgriff auf umfangreiches Archivmaterial (u. a. Biografien, Oral Histories, theoretische Schriften) werden die nahezu synchron verlaufenden Protestprozesse zunächst in ihren jeweiligen landesspezifischen Wirkungszusammenhängen behandelt, um anschließend die einander entsprechenden Mechanismen hervorzuheben. Die Studie macht einerseits plausibel, dass die historische Bedeutung des Aufbruchs der jungen Intelligenz „weniger in den revolutionären Ambitionen und im Handeln der Akteure selbst zu suchen [ist], als vielmehr in den sekundären, oftmals unintendierten Wirkungen, die dieses Handeln auslöste" (290). Andererseits gelingt es dem Autor, gerade die spezifischen, auf die jeweiligen politischen Kulturen verweisenden Unterschiede in der gesellschaftlichen Verarbeitung der Protestbewegungen herauszuarbeiten.
Aus dem Inhalt:
I. „A movement of ideas": Formierung und kognitive Orientierung der studentischen Neuen Linken
1. „Out of Apathy": Intellektuelle Vordenker einer Neuen Linken
2. Students for a Democratic Society (SDS) und New Left in den USA
3. Der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) und die Neue Linke in der Bundesrepublik
II. Studentische New Left und Ideendiffusionen in den USA
1. Von den intellektuellen Vordenkern zur Protestpraxis: Impulse der Bürgerrechtsbewegung
2. Ideen einer Neuen Linken und Opposition gegen den Vietnamkrieg
3. Ideen in Aktion: Neue Linke und Gegenkultur
4. Drehscheiben der Diffusion: Die Gegeninstitutionen
III. Die studentische Linke und Ideendiffusionen in der Bundesrepublik
1. Deutungsmacht der Neuen Linken und die Opposition gegen die Notstandsgesetze
2. Katalysatoren der Vergangenheitsbewältigung? Die Neue Linke und der Nationalsozialismus
3. Ideen als Kollektivsymbole: Medien, Kunst und „Kulturrevolution"
IV. Die studentische Neue Linke/New Left und Ideendiffusionen in der Bundesrepublik und den USA
1. Die Gesellschaft von den Universitäten aus verändern: Die junge Intelligenz und die Hochschulreform
2. Die Radikalisierung der Ideen und die Anfänge der neuen Frauenbewegungen
3. Ideen als Orientierungsmuster für Gewalt? Der globale Befreiungskampf im Bündnis mit der Dritten Welt
V. Der Aufbruch der jungen Intelligenz und die Folgen
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.22 | 2.331 | 2.313 | 2.64 | 2.23 | 2.35 | 2.37
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Michael Schmidtke: Der Aufbruch der jungen Intelligenz. Frankfurt a. M./New York: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18721-der-aufbruch-der-jungen-intelligenz_21720, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 21720
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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