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/ 21.06.2013
Wolfgang Hirn

Der Kampf ums Brot. Warum die Lebensmittel immer knapper und teurer werden

Frankfurt a. M.: S. Fischer 2009; 283 S.; 14,95 €; ISBN 978-3-10-030412-4
Die Agrarpreis- und Nahrungsmittelkrise im Frühsommer 2008 ist von der Finanzkrise im Herbst 2008 überschattet worden und damit aus der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend verschwunden – nach Ansicht des Autors ein gravierender Fehler: „Denn wir erleben derzeit eine epochale Veränderung auf dem globalen Nahrungsmittelmarkt: Die Nachfrage übersteigt erstmals wieder seit langer langer Zeit das Angebot“ (10), schreibt Hirn und greift die 200 Jahre alte Malthus’sche These auf, dass die Erde nicht mehr alle Menschen ernähren könne. Für dieses Buch bereiste der Asienkenner und Reporter beim „manager magazin“ von Oktober 2008 bis März 2009 26 Länder in allen Kontinenten und führte Gespräche mit Bauern, Bürokraten, Politikern, Managern und Wissenschaftlern. Anhand von zahlreichen Fakten sowie Schilderungen über Besuche von Supermärkten, Fischfarmen oder Schnellrestaurants gelingt ihm ein locker und flüssig geschriebener Rundumschlag über nahezu alle mit der Ernährungsfrage zusammenhängenden Problemfelder: Bevölkerungswachstum, Klimawandel wachsende Mittelschichten in den aufstrebenden Staaten mit steigendem, an westlichen Lebensmustern orientierten Konsumbedarf; Überfischung, Migration sowie der globale Kampf nicht nur um Wasser, sondern zunehmend auch um Ackerland. Zwar fehlt den Ausführungen mitunter ein roter Faden, doch beispielhaft und plakativ zeigt Hirn Zielkonflikte wie den zwischen Biosprit und Getreideanbau oder zwischen ökologischer und industrieller Landwirtschaft auf und legt Zusammenhänge zwischen Wohlstand, Rohstoffknappheit und Armut dar. Die wichtigste Ursache ist für Hirn das Bevölkerungswachstum, dem mit familienplanerischen Maßnahmen entgegengesteuert werden müsse. Auch plädiert er für eine vorurteilsfreie Diskussion der Gentechnik. Der Autor beschließt seine Ausführungen mit wenig innovativen Vorschlägen zur Veränderung des individuellen Konsumverhaltens. Das Buch vermag – nicht zuletzt durch seinen lebendigen Stil – eine breite und interessierte Leserschaft für die Thematik zu sensibilisieren, für die wissenschaftliche Arbeit ist es verzichtbar.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.454.43 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Wolfgang Hirn: Der Kampf ums Brot. Frankfurt a. M.: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31448-der-kampf-ums-brot_37433, veröffentlicht am 25.01.2010. Buch-Nr.: 37433 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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