Skip to main content
/ 18.06.2013
Chalmers Johnson

Der Selbstmord der amerikanischen Demokratie

München: Karl Blessing Verlag 2003; 478 S.; geb., 23,- €; ISBN 3-89667-226-6
Gewohnt kampfeslustig und deutlichen Worten nicht abgeneigt, liest der emeritierte amerikanische Politikprofessor Johnson seiner Regierung die Leviten. In der Fortsetzung seines früheren Buches „Ein Imperium verfällt" (siehe ZPol 4/00: 1.923 f.) erhebt er den ernsten Vorwurf, dass eine Clique von Imperialisten die Macht in Washington übernommen und besonders seit dem 11. September 2001 „eine Revolution in den Beziehungen der USA zum Rest der Welt" eingeleitet habe (34). Die Außenpolitik werde immer stärker militarisiert und nach Innen versuche die Regierung, ein System von Propaganda, Desinformation und der Verherrlichung des Militärs aufzubauen, das langsam aber sicher die Demokratie unterhöhle. Johnson fürchtet, „dass die Vereinigten Staaten einen Weg eingeschlagen haben, der jenem Weg durchaus ähnlich ist, den die Sowjetunion in den 1980er Jahren wählte" (23). Er sieht vielfache Zeichen „des Militarismus und des Entstehens eines nationalen Überwachungsstaates" (109). Der gegenwärtigen US-Regierung wirft er blanken Imperialismus vor. Das moderne US-Imperium sei jedoch kein „Imperium der Kolonien, sondern ein Imperium der Militärbasen" (36). In 153 Staaten der Welt unterhalte die USA solche Stützpunkte in der einen oder anderen Form. Sie dienen nach Johnsons Analyse sowohl ökonomischen Motiven wie der Sicherung des Ölnachschubs und dem Einkommen des „petro-militärischen Komplex[es]" (206) als auch dem „Bestreben der Eliten Amerikas, andere Völker zu beherrschen, nur weil sie die Macht dazu besitzen" (206). Diese These illustriert Johnson anhand von zahlreichen Beispielen aus Amerikas jüngster Vergangenheit - von Okinawa bis zum Irak. Seine Kritik an der Rolle des Militärs in der amerikanischen Politik ist hart und pointiert, sie enthält aber eine Fülle von Fakten, die schwerlich zu ignorieren sind. Wer sich für die amerikanische Politik interessiert, wird das Buch mit Gewinn lesen.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.222.644.412.21 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Chalmers Johnson: Der Selbstmord der amerikanischen Demokratie München: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/19537-der-selbstmord-der-amerikanischen-demokratie_22723, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 22723 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA