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/ 19.06.2013
Shelley Berlowitz

Die Erfahrung der Anderen. Konfliktstoff im israelisch-palästinensischen Dialog

Konstanz: Konstanz University Press 2012; 291 S.; kart., 36,90 €; ISBN 978-3-86253-020-5
Diss. Basel; Begutachtung: H. Haumann, I. Zertal. – Die politischen und gesellschaftlichen Zustände auf beiden Seiten des Nahostkonfliktes lassen es immer weniger zu, in einen offenen Austausch zu treten und dabei die Menschlichkeit des Anderen zu bewahren und seine Version der gemeinsamen Geschichte wenn schon nicht zu verstehen, dann doch immerhin zu akzeptieren. Lediglich eine (schrumpfende) Minderheit von Israelis und Palästinensern geht überhaupt in wechselseitige Interaktion, ja lässt sogar Freundschaft und politische Kooperation zu. Die überwältigende Mehrheit – dies ist eines der wichtigsten Merkmale des Konfliktes – hat überhaupt keinen Kontakt zur jeweils anderen Seite, obschon die beiden Völker untrennbar miteinander verbunden sind. In diesem Buch geht es um diese seltenen Dialoge zwischen Israelis und Palästinensern, die sich auf unterschiedlichen Ebenen abspielen beziehungsweise abspielen können. Die Autorin differenziert dabei zwischen privaten Dialogen, also Aktivitäten, die sich in erster Linie an die Teilnehmenden richten, öffentlichen Dialogen, die die öffentliche Meinung beeinflussen wollen, sowie Verhandlungen, die zwischen einflussreichen Entscheidungsträgern stattfinden. All diese Dialoge sind nicht nur mühsam, der Austausch zwischen den beiden Parteien kann teilweise auch lebensgefährlich sein. Die Autorin zeichnet drei israelisch-palästinensische Dialoge nach: ein Gespräch zwischen Ibrahim Souss und Zvi Elpeleg, die Arbeit der Beit Sahour-Dialoggruppe sowie die der feministischen Organisation „Jerusalem Link“. Auf dieser Grundlage werden vier Spannungsfelder der dialogischen Zusammenarbeit aufgezeigt: der Balanceakt zwischen Nähe und Distanz, den alle Teilnehmenden kontinuierlich ausführen müssen, die allgegenwärtige Asymmetrie des Konfliktes, der Kontrast zwischen Worten und Taten sowie die historische Dimension des heutigen Konfliktes. Letztendlich sind die hier porträtierten Dialoginitiativen an den politischen Bedingungen ihrer Zeit gescheitert. Die Autorin schreibt über „Jerusalem Link“ und die Gruppe von Beit Sahour: „Sie sind an den Fakten gescheitert, die vor Ort durch die israelische Besatzung geschaffen wurden: die Separation zwischen den Israelis und der palästinensischen Bevölkerung der Westbank, der Besiedlung und Privilegierung der jüdischen Siedler/innen, der zunehmenden Einschränkung und Diskriminierung der palästinensischen Bevölkerung.“ (247)
Christiane J. Fröhlich (CJF)
Dr., Soziologie mit Schwerpunkt Friedens- und Konfliktforschung, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Hamburg.
Rubrizierung: 2.632.254.41 Empfohlene Zitierweise: Christiane J. Fröhlich, Rezension zu: Shelley Berlowitz: Die Erfahrung der Anderen. Konstanz: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21673-die-erfahrung-der-anderen_42112, veröffentlicht am 04.10.2012. Buch-Nr.: 42112 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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