/ 20.06.2013
Stefan Brehm
Die Integration der VR China in eine globale Finanz- und Währungsordnung
Berlin: Lit 2007 (Asien: Wirtschaft und Entwicklung 3); 268 S.; brosch., 29,90 €; ISBN 978-3-8258-9614-0Wirtschaftswiss. Diss. Tübingen; Gutachter: J. Starbatty, H.-U. Vogel. – Um die Rolle des Staates bei der Entwicklung von Volkswirtschaften in Japan und den sogenannten Tigerstaaten Asiens zu untersuchen, wurde – als Gegenmodell zum liberalen Staat – das Konzept des Developmental State entwickelt. Danach, so die Grundannahme, können politische Interventionen zu einer erfolgreichen Wirtschaftsentwicklung beitragen. Der Staat ist nicht allein für die Schaffung marktfreundlicher Rahmenbedingungen, sondern auch für die Steuerung der Marktentwicklung zuständig und übernimmt teilweise unternehmerische Risiken. Eine besondere Bedeutung spielt die Koordinierung des Finanzsektors. Durch internationale Regeln und globale Standards wird der politische Gestaltungsspielraum eines Entwicklungsstaates beeinträchtigt. Daher kann, so die weitere Annahme, der Entwicklungsstaat nur ein Modell auf Zeit sein. Der Autor untersucht, inwieweit der chinesische Finanzsektor mit den Merkmalen eines Entwicklungsstaates übereinstimmt und welche neue Aufgabenteilung zwischen Markt und Staat entstanden ist. Am Beispiel der Banken- und Versicherungsbranche werden dann die Auswirkungen des WTO-Beitritts sowie die Vereinbarkeit mit internationalen Normen und Standards geprüft. Brehm weist nach, dass die Strukturen des chinesischen Finanzsystems denen eines Entwicklungsstaates entsprechen. Allerdings gefährde das sozialistische Erbe die Funktionsfähigkeit des Systems. Es fehle u. a. an Innovationsanreizen aufgrund mangelnden Wettbewerbs sowie ungenügender Kenntnisse und Erfahrungen. Trotz einer „beeindruckenden Bilanz hinsichtlich der Harmonisierung mit internationalen Regeln“ (234) zeigten sich zudem „systemisch bedingte Divergenzen. [...] Mehr als demokratische Staaten und/oder ausschließlich marktwirtschaftlich gelenkte Systeme ist China [aufgrund seines autoritären Machtgefüges] in der Lage, den Einfluss von außen zu beschränken, wenn dies dem Machterhalt dient.“ (235)
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.68 | 2.262 | 4.22
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Stefan Brehm: Die Integration der VR China in eine globale Finanz- und Währungsordnung Berlin: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21694-die-integration-der-vr-china-in-eine-globale-finanz--und-waehrungsordnung_34482, veröffentlicht am 12.08.2008.
Buch-Nr.: 34482
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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