/ 21.06.2013
Markus Jensch
Eine glücklichere Welt ist möglich. Globaler Kapitalismus – wie lange noch und was danach?
Neu-Ulm: AG SPAK 2009; 182 S.; 16,- €; ISBN 978-3-930830-39-8Der Autor setzt sich in grundsätzlicher Weise mit den Zentralbegriffen des Kapitalismus auseinander: Eigentum, Markt und Geld. Jensch betont, dass Glück und Unglück des Menschen nicht in erster Linie vom Wirtschaftswachstum abhängen, auch wenn der herrschende Diskurs sich um kaum noch etwas anderes dreht. Tatsächlich sei es gar historische Wahrheit, dass das kapitalistische System „weite Kreise der Menschheit in Abhängigkeit von den privilegierten Zentren der Weltwirtschaft“ (7) gehalten habe. Die Marktwirtschaft müsse in Verbindung mit der bürgerlichen Demokratie nicht der einzige Weg zu Freiheit und Wohlstand sein, führt der Autor aus. Es sei Zeit, über Alternativen zu Eigentum, Markt und Geld nachzudenken, Begriffe, die „seltsam und fragwürdig“ (10) seien. Die Ursache dafür, dass die kommunistischen Revolutionen nie den Kapitalismus überwanden, sondern immer nur ein staatskapitalistisches System schufen, liege an einem zu sehr am Klassenkampfkonzept orientierten Eigentumsbegriff. Zudem kritisiert Jensch, dass durch das kapitalistische „Eigentumsprinzip kulturprägend festgelegt wird, wie der Wille der Individuen im sozialen Miteinander zu Geltung kommt“ (104). Dem stellt er das Matriarchat gegenüber, in dem nicht „die Willkürentscheidung des Einzelnen über sein Eigentum“ (105) gelte. So unterstützt Jensch auch Einschätzungen, nach denen wir lediglich in einem „Zeitalter der formalen Demokratie“ (127) lebten. Eines der fundamentalen Probleme der Gegenwart sei, dass im Kapitalismus „keine gemischten Verhandlungen erlaubt sind, in denen es zugleich um die politischen Verhältnisse und die wirtschaftliche Kooperation der Beteiligten gehe“ (131). Auf die Gemeinschaft orientiertes Verhandeln solle zukünftig Vorrang vor dem wirtschaftlichen Effizienz- und Vernünftigkeitsdenken bekommen. Jensch schlägt eine „Entschärfung des Eigentumsprinzips“ (149) vor, die an den Prinzipien der Entschleunigung und Publizität orientiert ist. Dazu bedürfe es neuer Instrumente wie einer Kapitaldistanzsteuer, einer Kapitalerwerbssteuer und der Veröffentlichung von Eigentumsverhältnissen.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.22 | 4.43 | 5.45
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Markus Jensch: Eine glücklichere Welt ist möglich. Neu-Ulm: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31009-eine-gluecklichere-welt-ist-moeglich_36851, veröffentlicht am 26.08.2009.
Buch-Nr.: 36851
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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