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/ 20.06.2013
Alexander Schimmelpfennig

Eine umweltpolitische Reform des WTO-Systems?

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2005 (Integration Europas und Ordnung der Weltwirtschaft 31); 271 S.; geb., 49,- €; ISBN 3-8329-1027-1
Schädigt der expandierende Welthandel das knappe Gut Umwelt? Sind Handelssanktionen eine geeignete Strategie, um der zunehmend globalen Problematik der Umweltzerstörung entgegenzuwirken? Diese und weitere gegenwärtig viel besprochene Fragen, etwa ob einzelstaatliche Umweltstandards effizient und legitim sind oder lediglich eine geschickte Form des Protektionismus darstellen, behandelt Schimmelpfennig in seiner gründlichen Untersuchung. Dieselben Effizienz- und Machbarkeitskriterien, die in der Studie auf handelspolitische Reformmöglichkeiten angewandt werden, sind auch der Grund dafür, dass der Autor die Alternative einer Weltumweltorganisation als unrealistisch verwirft. In seiner Analyse der spezifischen Schnittstelle zwischen Handels- und Umweltschutzzielen rückt Schimmelpfennig daher die umweltpolitische Reformierbarkeit der Welthandelsorganisation WTO in den Mittelpunkt. Er votiert gegen eine grundlegende Neugestaltung der umweltbezogenen Vorkehrungen in der WTO. Stattdessen schlägt er punktuelle Nachbesserungen, beispielsweise frühzeitige Konsultationen zwischen WTO-Ländern und die Verankerung des Verursacherprinzips als "Leitschnur" (235) vor. Weiter gehende Handelsmaßnahmen mit dem Ziel des Umweltschutzes hätten einen zu hohen wirtschaftlichen Preis im Verhältnis zu ihrer absehbar geringen Effektivität. Der Themenkomplex aus Handel und Umwelt müsse zudem, so Schimmelpfennig, um den Faktor "Entwicklung" ergänzt werden. Denn ohne positive materielle Anreize seien wirtschaftlich schwache Länder weder willens noch in der Lage, teure Umweltstandards einzuhalten. Der Verfasser betont, dass eine direkte Kollision zwischen globalen Umweltabkommen und dem WTO-Regelwerk bislang eher theoretischer Natur ist. Freilich liegt dies v. a. daran, dass die bestehenden globalen Umweltschutzvorkehrungen äußerst lückenhaft sind und es an einer zentralen Instanz zu ihrer Durchsetzung mangelt. Das globale Umweltschutzproblem sollte demnach an anderer Stelle als im Rahmen der WTO behoben werden.
Tine Hanrieder (CTH)
M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
Rubrizierung: 4.34.434.45 Empfohlene Zitierweise: Tine Hanrieder, Rezension zu: Alexander Schimmelpfennig: Eine umweltpolitische Reform des WTO-Systems? Baden-Baden: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24029-eine-umweltpolitische-reform-des-wto-systems_27650, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 27650 Rezension drucken
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