/ 20.06.2013
Ulrich Maurer
Eiszeit. Staatsstreich des Kapitals oder Renaissance der Linken
München: Riemann Verlag 2006; 286 S.; 18,- €; ISBN 978-3-570-50070-5„Wer Sozialdemokrat bleiben will [...], muss die SPD verlassen“ (11), schreibt Maurer, langjähriges SPD-Vorstandsmitglied und Vorsitzender der baden-württembergischen SPD-Landtagsfraktion. Er hat diesen Schritt im Juni 2005 vollzogen und ist kurz darauf der Linkspartei beigetreten. Sein Buch ist eine Abrechnung nicht nur mit der SPD und Gerhard Schröder, sondern mit der allgemeinen politischen Grundstimmung der letzten Jahrzehnte und der vorherrschenden Unterordnung sozialer Belange unter die Interessen des Kapitals. Zahlreiche Ereignisse und Persönlichkeiten müssen herhalten, um wortgewaltig und nicht immer ohne Ironie und Sarkasmus den Niedergang unserer Gesellschaft zu belegen. Neben Polit-Affairen und Korruptionsfällen lässt sich Maurer etwa über Pressekommentare zum Auftritt von Angela Merkel und Claudia Roth bei der Eröffnung der Wagner-Festspiele 2001 ebenso wie über die Machenschaften der Drogeriekette Schlecker aus. Mit zum Teil reißerischen Zwischentiteln wie „Die Blutsauger“, „Die Heuschrecken kommen“, „Der Staat als Beute“ oder „Biotope für Terroristen“ spricht er sicherlich vielen Partei- und Politikverdrossenen aus der Seele. Doch all dies wirkt recht beliebig und ist auf Dauer ermüdend – selbst wenn man seinen Diagnosen durchaus zustimmen mag. Am Ende entwirft Maurer die Utopie eines demokratischen Sozialismus. Er versteht sein Buch, als „Aufforderung an verständige Mächtige, die Seite zu wechseln“ (17). Aus politikwissenschaftlicher Sicht ist es wenig ergiebig.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.2 | 2.22 | 2.23 | 2.33 | 2.35 | 4.43
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Ulrich Maurer: Eiszeit. München: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25873-eiszeit_30036, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 30036
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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