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/ 04.06.2013
Martin Hagen

Elektronische Demokratie. Computernetzwerke und politische Theorie in den USA

Hamburg: Lit 1997 (Medien & Politik 9); 132 S.; 38,80 DM; ISBN 3-8258-3378-X
Die zentrale Fragestellung der Arbeit lautet, inwieweit der politische Einsatz von Computernetzwerken die demokratische Partizipation der Bevölkerung steigern kann (17). Hagen untersucht am Beispiel der USA die historischen und theoretischen Hintergründe der neuen Partizipationsstrategien. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Analyse verschiedener Konzepte für elektronische Demokratie: "Teledemocracy", "Cyberdemocracy" und "Electronic Democratization" (19). In einem weiteren Abschnitt werden Gründe für die in Deutschland nur peripher stattfindende Auseinandersetzung mit den verschiedenen Formen elektronischer Demokratie beleuchtet. Historische und institutionelle Unterschiede zu den USA benennt der Autor als die Hinderungsgründe für eine kritische und lebendige Debatte über Möglichkeiten elektronischer Demokratie in Deutschland. Insgesamt lassen sich aber nach seiner Ansicht Computernetzwerke "wenigstens theoretisch zur Steigerung der politischen Beteiligung auf Seiten der Bevölkerung und damit zur Stärkung des demokratischen politischen Systems einsetzen" (116). Im Unterschied zu den herkömmlichen Massenmedien bieten Computernetzwerke die Möglichkeit der Interaktivität, wohingegen z. B. das Fernsehen geradezu dysfunktionale Konsequenzen für das politische System von Demokratien nach sich ziehen kann, indem es als passives Medium zur politischen Apathie der Bevölkerung beiträgt (116). Inhaltlich beschäftigen sich die Konzepte elektronischer Demokratie nur am Rande mit der computergestützten Durchführung elektronischer Wahlen (117). Vielmehr geht es um die Neuentdeckung traditioneller Topoi der Demokratietheorie, die im Lichte der technologischen Entwicklung neu beleuchtet werden (118). Im Ergebnis zeigt sich, daß die Konzepte elektronischer Demokratie entscheidend von spezifischen Demokratiedebatten, Institutionen und Prozessen, also von nationalen Besonderheiten und weniger den technischen Voraussetzungen abhängig sind (120 f.). Mit seiner Arbeit leistet Hagen einen Beitrag, um verschiedene Formen elektronischer Demokratie zu unterscheiden und eine kritische Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Chancen und Risiken der Einbeziehung technischer Anwendungen in die demokratietheoretische Debatte zu führen.
Thomas Morick (TM)
Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 2.642.22.225.41 Empfohlene Zitierweise: Thomas Morick, Rezension zu: Martin Hagen: Elektronische Demokratie. Hamburg: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4479-elektronische-demokratie_6288, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 6288 Rezension drucken
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