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/ 21.06.2013
Friedrich Reutner

Erfolgsnationen vor dem Abstieg bewahren. Die Egologik als Erfolgsfaktor

Stuttgart: Lucius & Lucius 2008 (Marktwirtschaftliche Reformpolitik 9); X, 150 S.; 28,00 €; ISBN 978-3-8282-0440-9
Reutner formuliert die These, dass „die heutigen Rahmenbedingungen der Demokratie ein wettbewerbsorientiertes politisches Verhalten verhindern und so die Soziale Marktwirtschaft lähmen“ (VI). Der globale Wettbewerb verschärfe zudem die Situation, da er höhere Anforderungen an die intelligente Steuerung von Politik stelle. Niedriglohnländer oder Wettbewerbsnationen, so Reutner, lernten rasch. Zuerst verdrängten sie Hochlohnländer auf einfachen, später auf hoch entwickelten Arbeitsgebieten. Die „alternden Demokratien“ (V) könnten infolge von Überregulierung, steigender Transferleistungen und der allgemeinen Kompliziertheit der Administration nicht adäquat reagieren. Hinzu komme, dass Politiker wie alle Menschen ihrer Egologik folgten, so der Autor. Sie seien also unter anderem darauf bedacht, weiterhin ihre Mandate zu behalten. Insofern erweist sich die Demokratie für Reutner in ihrer derzeitigen Gestalt nicht als ein System der Freiheit: „Schon Röpke sah die Unfreiheit als Preis für einen Wohlfahrtsstaat“ (99). Die zunehmenden Lasten fesselten die Soziale Marktwirtschaft, die wachsende Staatsquote entziehe „einer optimierten wirtschaftlichen Verwendung die Mittel“ (100) und führe zu den „unsozialsten Folgen: Arbeitslosigkeit und Armut“ (62). Es komme somit darauf an, die Demokratie zu entwickeln und wettbewerbsfähig zu machen. Wolle man also das beste wirtschaftliche Ergebnis für die Bevölkerung erzielen, müsse man eine „hochqualifizierte Wirtschaftskommission“ (133) einrichten. Dorthinein dürften nur Sachverständige mit „exzellenter Ausbildung“ und „etwa zwei Jahrzehnte Erfahrung auf dem Wirtschaftsgebiet“ gewählt werden. Vertreter von Unternehmerverbänden und Gewerkschaften sollten nur gehört werden, aber „wegen fehlender Objektivität kein Stimmrecht erhalten“ (134). Sogar ein Vetorecht solle diese Kommission bekommen, ginge es nach Reutner, die vom Parlament nur mit einer Zweidrittelmehrheit überstimmt werden könne. Bedenken betreffs einer Verfassungskonformität begegnet der Autor mit dem Hinweis, dass man diese ändern könne.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.24.43 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Friedrich Reutner: Erfolgsnationen vor dem Abstieg bewahren. Stuttgart: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30159-erfolgsnationen-vor-dem-abstieg-bewahren_35757, veröffentlicht am 10.02.2009. Buch-Nr.: 35757 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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