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/ 05.06.2013
Carsten F. Risch

Evolution, Legitimation und Organisation intergouvernementaler Wirtschaftskooperationen. Das Beispiel der EU und der Visegrád-Staaten

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 1998 (Internationale Beziehungen 4); XX, 258 S.; brosch., 89,- DM; ISBN 3-631-33339-0
Die Staats- und Regierungschefs der EU stellten den Visegrád-Staaten (Polen, Ungarn, Tschechische und Slowakische Republik) auf dem Kopenhagener Gipfel 1994 die volle EU-Mitgliedschaft in Aussicht. Schon seit 1988 hatte es zwischen der EU sowie den mittelosteuropäischen Staaten Handels-, Kooperations- und Assoziationsabkommen gegeben. In welcher Weise sich diese intergouvernementale Wirtschaftskooperation entwickelt, legitimiert und wie sie organisiert ist, untersucht Risch anhand einer multitheoretischen Analyse, die den komplexen Motivationsstrukturen der Staaten in der Praxis gerecht werden soll. Somit erweitert er die klassische ökonomische Integrationstheorie um organisationstheoretische Aspekte, weil Staaten in ihrer Wirtschaftskooperation grundsätzlich über ein mehrdimensionales Zielbündel verfügen. Um das der EU und das der Visegrád-Staaten zu differenzieren, bemüht Risch vier theoretische Sichtweisen (Transaktionskostenansatz, Spieltheorie, Resource-Dependence-Ansatz und Kontingenzansatz) und entwickelt daraus Legitimationsmuster, sogenannte Fits. Das heißt, daß Staaten ihre außenwirtschaftspolitischen Maßnahmen nicht nur nach Effizienz- und Verteilungswirkung beurteilen, sondern ihr Verhalten an Macht-, Kontroll- und Umweltaspekten orientieren. Im Falle einer schnellen EU-Mitgliedschaft der Visegrád-Staaten sind erhebliche Transferleistungen der alten EU-Staaten erforderlich, so daß einerseits die kurzfristigen Effizienz- und Verteilungseffekte für die EU nur schwer erzielbar sind. Doch andererseits hat die EU aus wirtschaftsstrategischen Überlegungen heraus ein nachhaltiges Interesse an einer schnellen Entwicklung und einer guten wirtschaftspolitischen Zusammenarbeit mit den Visegrád-Staaten, um ihre Wettbewerbsfähigkeit und Netzwerkposition innerhalb der Triade USA/Japan/EU zu behaupten. Damit die Aufnahme neuer Staaten in die EU ihren Fortbestand nicht gefährdet, empfiehlt Risch einen Stufenplan zur direkten Integration der Visegrád-Staaten. Inhaltsübersicht: 1. Bedeutung intergouvernementaler Wirtschaftskooperationen in Europa; 2. Evolution intergouvernementaler Wirtschaftskooperationen; 3. Legitimation intergouvernementaler Wirtschaftskooperationen; 4. Rahmenbedingungen der Organisation intergouvernementaler Wirtschaftskooperation zwischen der EU und den Visegrád-Staaten; 5. Modelle einer intergouvernementalen Wirtschaftskooperation; 6. Organisation einer intergouvernementalen Wirtschaftskooperation zwischen der EU und den Visegrád-Staaten.
Wilhelm Johann Siemers (Sie)
Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
Rubrizierung: 4.434.32.623.6 Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Johann Siemers, Rezension zu: Carsten F. Risch: Evolution, Legitimation und Organisation intergouvernementaler Wirtschaftskooperationen. Frankfurt a. M. u. a.: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7673-evolution-legitimation-und-organisation-intergouvernementaler-wirtschaftskooperationen_10181, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10181 Rezension drucken
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