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/ 21.06.2013
Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) / Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) / Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) / Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) / Bonn International Center for Conversion (BICC) (Hrsg.)

Friedensgutachten 2009. Hrsg. von Jochen Hippler, Christiane Fröhlich, Margret Johannsen, Bruno Schoch, Andreas Heinemann-Grüder

Berlin: Lit 2009; XI, 337 S.; brosch., 12,90 €; ISBN 978-3-643-10087-0
Das gemeinsame Jahrbuch fünf deutscher Friedensforschungsinstitute ist der lange vernachlässigten Frage gewidmet, wie Kriege konkret beendet werden können. Die Autoren analysieren einzelne Konfliktsituationen ebenso wie grundsätzliche Herausforderungen und Chancen der internationalen Politik. Als Ausgangspunkt dienen die neuen, nicht-klassischen Kriegsformen, die, so der Grundtenor, von den internationalen Akteuren noch nicht vollständig verstanden werden. So sind in den zeitgenössischen Kriegen weder militärische noch entwicklungspolitische Maßnahmen entscheidend, sondern funktionierende (halb-) staatliche oder gesellschaftliche Governance-Strukturen, die von der Bevölkerung – dem nunmehr wichtigsten Ziel der Kriegführung – als legitim empfunden werden. Konflikte sind heute zuvorderst „Krieg[e] um Loyalität“ (44). Die verschlechterte Sicherheitslage in Afghanistan oder die Situation in und vor Somalia ist auf defizitäre bzw. fehlende Staatsstrukturen zurückzuführen. Nachhaltige Konfliktlösungen erfordern zudem die Einbeziehung aller beteiligten Parteien, relevanten Akteure und Themen. Im Falle des Nahostkonflikts sowie des Iraks gilt es, Iran und Syrien einzubinden, im Falle des Sudans kann eine Lösung des Nord-Süd-Konfliktes nicht ohne Einbeziehung Darfurs erfolgen. Nicht nur die 2008 eskalierten Konflikte im Südkaukasus, sondern auch gemeinsame Interessen mit Europa gebieten es zudem, Russland kooperativ und verlässlich in ein Sicherheitsgeflecht einzubinden. Auch wenn der Widerspruch zwischen Demokratisierung und Fremdbestimmung schwierig aufzulösen ist, so sind extern ausgeübter Druck und langfristige Demokratisierungsmaßnahmen ein mögliches Mittel, gewaltfreie Stabilität und Staatlichkeit zu schaffen, wie das Beispiel Westbalkan zeigt. Als Chance für eine neue Global Governance-Ära bewerten mehrere Autoren schließlich den Amtsantritt Obamas. Insgesamt bieten die Herausgeber nicht nur konkrete Analysen und Empfehlungen an die Entscheidungsträger, sondern zeigen auch, was die deutsche Friedensforschung derzeit leisten kann.
Christian Haas (CHA)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.414.224.34.432.612.622.632.642.672.68 Empfohlene Zitierweise: Christian Haas, Rezension zu: Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) / Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) / Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) / Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) / Bonn International Center for Conversion (BICC) (Hrsg.): Friedensgutachten 2009. Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31781-friedensgutachten-2009_37882, veröffentlicht am 23.02.2010. Buch-Nr.: 37882 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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