Skip to main content
/ 11.06.2013
Beate Neuss

Geburtshelfer Europas? Die Rolle der Vereinigten Staaten im europäischen Integrationsprozeß 1945-1958

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2000; 388 S.; brosch., 98,- DM; ISBN 3-7890-6384-3
Habilitationsschrift. - Die Autorin, Professorin für Internationale Politik an der TU Chemnitz, untersucht die Motive, die die USA veranlasst haben, den europäischen Integrationsprozess nach dem Zweiten Weltkrieg als einen Bestandteil ihrer globalen sicherheitspolitischen Strategie zu begreifen und zu unterstützen. Drei Interessen sind demnach für die Vereinigten Staaten handlungsleitend gewesen: erstens die dauerhafte Sicherung des Friedens in Europa durch die Überwindung des traditionellen Konzepts eines Gleichgewichts der Mächte sowie die Eindämmung des sowjetischen Einflusses, der ökonomische Wiederaufbau Europas und die Integration des Kontinents in die Weltwirtschaft sowie drittens die Schaffung eines gleichgewichtigen Partners, der durch ein "burden-sharing" in der Weltpolitik die Vereinigten Staaten entlasten würde. Wie die Autorin überzeugend herausarbeitet, überwog dabei im amerikanischen Kalkül die sicherheitspolitische gegenüber der ökonomischen Dimension: Die europäische Integration diente vor allem dazu, den Einfluss der Sowjetunion einzudämmen, zugleich aber auch Deutschland in supranationale Strukturen einzubinden. Wie eng diese Interessen miteinander verwoben waren und welche Schlüsselstellung gerade die deutsche Frage für die europäische Sicherheit besaß, unterstreicht Neuss im Schlusswort: "Ohne Lösung für das deutsche Problem gab es keine befriedigende Regelung für Westeuropa, ohne befriedigende Gestaltung der westeuropäischen Strukturen keine partnerschaftliche Unterstützung für die USA, kein Bollwerk gegen sowjetischen Expansionsdrang und keine Sicherheit vor erneuten europäischen Kriegen" (346). Inhaltsübersicht: I. Truman-Administration: Impulsgeber der europäischen Integration: 1. Globale Gleichgewichtspolitik versus Balance of Power in Europa; 2. Marshall-Plan - Instrument amerikanischer Einigungspolitik; 3. Washington als Garant westeuropäischer supranationaler Integration; 4. Eine Verteidigung für Europa - mit den Deutschen; 5. Übernahme des französischen Integrationskonzeptes; 6. Das Tauziehen um die Ratifizierung. II. Eisenhower-Administration: Drängender Förderer: 1. Verstärkung des Drucks auf die Europäer; 2. Festhalten an einem supranationalen Verteidigungskonzept; 3. Dramatisches Scheitern: Beschränkte Wirksamkeit einer Supermacht-Diplomatie; 4. Ausweg aus der Krise unter britischer Führung; 5. Euratom: Die USA auf der Hinterbühne; 6. Die unterschätzte Wirtschaftsintegration. III. Resümee: Die Vereinigten Staaten - Geburtshelfer der europäischen Integration: 1. Blick zurück: Interventionistische Integrationspolitik; 2. Blick nach vorn: Vor einer neuen transatlantischen Partnerschaft?
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 4.222.643.1 Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Beate Neuss: Geburtshelfer Europas? Baden-Baden: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11964-geburtshelfer-europas_14268, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 14268 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA